Airbus Defence and Space

Spacelab: Eintritt in die bemannte Raumfahrt für Europa

Als die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA 1973 den Auftrag an Europa vergab, ein Forschungslabor für Experimente in der Schwerelosigkeit zu bauen, konnte noch niemand ahnen, dass mit dieser Auftragsvergabe eine neue Ära der bemannten Raumfahrt für Europa begann.

Nach Abschluss der erfolgreichen Mond-Expeditionen mit dem Apollo-Programm schlug die NASA Europa 1972 vor, sich an künftigen bemannten Raummissionen zu beteiligen. Amerika startete die Entwicklung des wieder verwendbaren Space Shuttle und Europas Forschungs- und Wissenschaftsminister stimmten im August 1973 der parallelen Entwicklung des Weltraumlabors Spacelab zu. Im Juni 1974 erteilte die ESA dem von der heutigen Airbus Defence and Space geführten Konsortium den Auftrag zum Bau des Labors. Über 40 große europäische Unternehmen arbeiteten seinerzeit unter Führung der damaligen ERNO Raumfahrttechnik GmbH.

1981 wurde die erste komplette Flugeinheit über die ESA an den amerikanischen Partner NASA ausgeliefert. Am 28. November 1983 startete Spacelab mit der Raumfähre „Columbia“ zum Erstflug. Mit an Bord war der Stuttgarter Physiker und ESA-Astronaut Dr. Ulf Merbold als Nutzlastspezialist.

1985 und 1993 standen die Missionen unter dem Vorzeichen „D“, die Missionskontrolle oblag dem Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR), das die Forschungsflüge von ihrem Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen aus betreute. Zur Mannschaft gehörten der niederländische ESA-Astronaut Dr. Wubbo Ockels und die deutschen Astronauten Dr. Reinhard Furrer und Dr. Ernst Messerschmidt (D-1) sowie Dr. Ulrich Walter und Hans-Wilhelm Schlegel (D-2).

Zwischenzeitlich hatte die NASA direkt beim Spacelab-Konsortium unter Führung von Airbus Defence and Space eine zweite Spacelab-Flugeinheit bestellt und mit der Ersatzteillieferung beauftragt. Neben den insgesamt sechs Flügen in einer „Nur-Paletten-Konfiguration“ – also ohne bemanntes Labor – kamen immer wieder Spacelab-Plattformen zum Einsatz, die auch heute noch bei vielen Shuttle-Flügen in der Ladebucht verankert, Geräte und Instrumente aufnehmen.

Mit dem 22. Start – wieder an Bord der „Columbia„ – ging mit der „Neurolab“-Mission im April 1998 die Spacelab-Ära zu Ende. Wie bei den meisten Missionen zuvor, war Airbus Defence and Space mit wichtigen Experimentanlagen und Einrichtungen beteiligt, die im Auftrag der nationalen und europäischen Raumfahrt-Agenturen von ihr entwickelt und gebaut wurden.

 

Rekordverdächtig

  • Spacelab flog in 15 Jahren 22 Missionen.
  • Spacelab war 231 Tage im All.
  • An Bord des Spacelab führten 149 Astronauten insgesamt 720 Experimente durch.

 

Der Vorläufer zu Columbus

Die gleichzeitige Entwicklung von Spacelab und Shuttle, die damit verbundene Vielzahl immer neuer Anforderungen, die Koordinierung von 40 großen Firmen aus zehn europäischen Ländern und mehreren hundert Zulieferern setzte eine perfekte Abstimmungsarbeit voraus. Die Qualität dieser äußerst komplexen Hardware hat Airbus Defence and Space zu einem anerkannten Partner in der internationalen Raumfahrtgemeinschaft werden lassen.

So basiert die Konzeption des europäischen Wissenschaftslabors Columbus, das seit Februar 2008 fester Bestandteil der Internationalen Raumstation ist, auf den Erfahrungen, die Airbus Defence and Space mit der Entwicklung und dem Bau des Raumlabors Spacelab gesammelt hat.

Airbus Defence and Space hat das Columbus-Labor im Auftrag der Europäischen Weltraumagentur ESA als industrieller Hauptauftragnehmer entwickelt und gebaut. Zehn Jahre haben die Raumfahrtingenieure von Airbus Defence and Space in Bremen an dem fast 13 Tonnen schweren Raumstationsmodul gearbeitet. Airbus Defence and Space hat sich mittlerweile zum weltweit anerkannten Spezialisten für Orbitalsysteme, Transport- und Wiedereintrittssysteme, Betrieb und Missionen entwickelt. Vieles davon ist Spacelab zu verdanken – Europas Eintrittskarte in die bemannte Raumfahrt.

Internationale WeltraumstationISSBemannte Raumfahrt