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Von Juri Gagarin zur ISS

„Auf geht‘s!“ rief Juri Gagarin, als seine Wostok-Rakete am Morgen des 12. April 1961 zum ersten bemannten Raumflug abhob

Der russische Kosmonaut Juri Gagarin am Morgen des 12. April 1961 © Roscosmos PAO

108 Minuten später landete er nahe der Wolga beim Dorf Smelowka mit dem Fallschirm auf einem brach liegenden Feld. In dieser Zeit hatte er einmal die Erde umrundet und die Tür zu einem neuen Zeitalter aufgestoßen.

Rechts: Der russische Kosmonaut Juri Gagarin am 12. April 1961. © Roscosmos PAO 

Zum ersten Mal hatte ein Mensch die Erde mit eigenen Augen aus über 300 Kilometer Höhe gesehen. Damit war es bewiesen: Menschen konnten die Belastungen eines Raumflugs überstehen, die starken Beschleunigungskräfte bei Start und Landung ebenso wie die Schwerelosigkeit während des Fluges oder die Strahlungsbelastung in großer Höhe. Und Gagarin überstand das Abenteuer nicht einfach nur, er genoss den Anblick, der sich ihm bot. „Ich sehe die Erde!“, funkte er aus dem Orbit. „Ich sehe die Wolken, es ist bewundernswert, was für eine Schönheit!“

Seitdem sind Gagarin mehr als 500 Menschen gefolgt. Zunächst war der Aufbruch ins All ein erbittertes Wettrennen der beiden Supermächte UdSSR und USA, die sich mit Erstleistungen gegenseitig zu übertreffen suchten. So schickte die Sowjetunion zwei Jahre nach dem ersten Mann mit Valentina Tereschkowa auch die erste Frau in die Umlaufbahn. Weitere zwei Jahre später gelang Alexej Leonow der erste Ausstieg eines Menschen aus der Weltraumkapsel.

Am 20. Juli 1969 hinterliessen Neil Armstrong und Buzz Aldrin ihre Spuren auf der Mondoberfläche © NASA

Die Amerikaner ließen sich davon jedoch nicht entmutigen: Nur wenige Wochen nach Gagarins Flug erklärte US-Präsident John F. Kennedy in einer historischen Rede, dass noch vor Ablauf des Jahrzehnts ein Amerikaner auf dem Mond landen und sicher zur Erde zurückkehren solle.

Links: Am 20. Juli 1969 betraten die Menschen zum ersten Mal einen anderen Himmelskörper. Neil Armstrong machte „einen riesigen Sprung für die Menschheit“, als er auf die Mondoberfläche trat. © NASA 

Die Apollo 11 Besatzung © NASA

Der beispiellose Kraftakt gelang. Am 20. Juli 1969 landeten Neil Armstrong und Buzz Aldrin im „Meer der Ruhe“ nahe beim Mondäquator, während Michael Collins mit dem Mutterschiff von Apollo 11 in der Umlaufbahn darauf wartete, die beiden für den Rückflug zur Erde wieder an Bord zu nehmen. Mit der sicheren Landung der drei Astronauten im Pazifik drei Tage später stand die Tür zum Weltraum endgültig weit auf.

Rechts: Die Apollo-11-Besatzung – Neil Armstrong, Michael Collins und Edwin „Buzz“ Aldrin. © NASA 

Es folgten noch fünf weitere Mondlandungen und eine Mondumkreisung durch die verunglückte Mission Apollo 13. Dann kehrte etwas mehr Ruhe in die Raumfahrt ein. Alle bemannten Missionen beschränkten sich seitdem auf den erdnahen Orbit. Während die USA mit dem Space Shuttle ein neues System für den Transport von Astronauten entwickelten, konzentrierte sich die Sowjetunion auf den Bau und Betrieb von Raumstationen. Mehrere Saljut-Stationen wurden nacheinander in der Erdumlaufbahn stationiert. Dabei wurden die grundlegenden Technologien schrittweise weiter entwickelt und wichtige Erfahrungen gesammelt, die schließlich in die Raumstation Mir mündeten, der ersten aus mehreren Modulen aufgebauten Raumstation.

Rechts unten: An Bord der Raumstation Mir (1986-2001) führten sowjetische Raumfahrer und Gäste aus vielen anderen Nationen wissenschaftliche Experimente durch und sammelten wichtige Erfahrungen mit Langzeitaufenthalten im Weltraum. © STS-89 Crew, NASA

Bild rechts unten: 1986 bringen die Russen die Raumstation Mir in die Erdumlaufbahn. Sie ist bis 1999 quasi permanent bemannt. 2001 wird die Karriere der Raumstation durch den kontrollierten Wiedereintritt in die Atmosphäre beendet. © STS-89 Crew, NASA

Im Laufe ihrer 15-jährigen Lebensdauer wurde sie nach und nach zu einem immer komplexeren Gebilde ausgebaut. Hier führten nicht nur sowjetische Raumfahrer, sondern auch Gäste aus vielen anderen Nationen wissenschaftliche Experimente durch und sammelten wichtige Erfahrungen mit Langzeitaufenthalten im Weltraum. Waleri Poljakow blieb sogar mehr als 14 Monate in der Station und ist damit bis heute der Mensch, der sich am längsten an einem Stück im Weltraum aufgehalten hat.

Die USA, die in den Jahren 1973 und 1974 mit Skylab ebenfalls eine Raumstation betrieben hatten, arbeiteten seit Mitte der achtziger Jahre an Plänen für eine größere Station. Der Zusammenbruch der Sowjetunion eröffnete dann aber ganz neue Perspektiven: Die USA, Europa, Kanada und Japan taten sich mit Russland zusammen, um gemeinsam die Internationale Raumstation ISS zu bauen und zu betreiben. Im November 1998 wurde das erste Modul, beruhend auf dem Basismodul der Mir, in die Umlaufbahn gebracht. Zwei Jahre später zog die erste Langzeitbesatzung in die Station ein, die seitdem Stück für Stück weiter ausgebaut wurde.

Inzwischen ist die ISS so gut wie komplett und bietet heute Platz und Arbeitsmöglichkeiten für sechs Personen. Und an der Wand hängt natürlich auch ein Bild von Juri Gagarin. Der hatte kurz vor seinem historischen Flug von der Verantwortung gesprochen, die er fühlte: „Diese Verantwortung gilt nicht einer Person, nicht einigen Dutzend, nicht einer Gruppe. Es ist eine Verantwortung gegenüber der gesamten Menschheit, ihrer Gegenwart und ihrer Zukunft.“ Historische Worte, die auch 50 Jahre später nicht ihre Gültigkeit verloren haben.

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