Airbus Defence and Space

AstroTerra geht in Position

Mit dem Programm AstroTerra, das die Satelliten Spot 6 und 7 umfasst, baut Airbus Defence and Space Services seine führende Rolle im Bereich hochauflösende Fernerkundungsdienste aus und sichert ab 2012 eine Weiterführung seiner bestehenden Dienste. Für diesen schnell wachsenden Markt hat der Airbus Defence and Space-Services-Bereich Geoinformationsdienste ein Portfolio von flexiblen und hochinnovativen Erdbeobachtungsdiensten zusammengestellt.

Welche Strategie ist die bessere? Abwarten, wie sich die Dinge entwickeln oder entschlossen vorangehen? Wenn ein Fußballteam eine Gewinnsträhne hat, sollte es seine Stammelf beibehalten, oder Spieler auswechseln? Seit siebeneinhalb Jahren steht der Satellit Spot 5 als „Zentralgestirn“ des Spot-Image-Satellitenverbunds im Mittelpunkt des Geschäfts von Airbus Defence and Space. Mit diesem leistungsfähigen Satelliten konnte sich das Unternehmen einen Anteil von 80% am Markt für Satellitenbilder mit einer Bodenauflösung von zwei Metern sichern. Um in die Bereitstellung von hochaufgelösten Daten in einem hart umkämpften Markt, der ständig neue Anbieter auf den Plan ruft, langfristig zu sichern, hat Airbus Defence and Space 2007 beschlossen, den Stier bei den Hörnern zu packen und legte ein neues Projekt – AstroTerra – auf, das in den Jahren 2012 und 2013 den Start der Satelliten Spot 6 und Spot 7 vorsieht. Diese Satelliten und die dazugehörigen Empfangsstationen sollen den Nutzern Orthobilder mit einer Auflösung von 1,5 Metern liefern (geometrisch genaue Luftbilder).

Wie ihre Vorgänger werden auch die neuen Satelliten vornehmlich für Anwendungen in den Bereichen Kartografie, Verteidigung, Land- und Forstwirtschaft sowie für geologische Untersuchungen genutzt. Zudem sollen sie Telemetriedaten an das bestehende Netz von weltweit über 40 Spot-4- und Spot-5-Empfangsstationen senden. „Da wir gegen starke Konkurrenz, insbesondere aus den USA, bestehen müssen, war dieser Schritt nach vorn unabdingbar“, berichtet AstroTerra-Programmleiter Philippe Ghesquiers. „Unser Ziel ist es, unseren bestehenden Kundenstamm an uns zu binden, indem wir Servicekontinuität gewährleisten und umfangreiche Langzeitvereinbarungen abschließen, wie Verträge mit einer Mindestlaufzeit von fünf Jahren statt der bisherigen Ein- und Dreijahresverträge für Spot 5. Das ist ein wesentlicher Punkt“, betont Ghesquiers. Ein erster Schritt in diese Richtung war die Unterzeichnung einer auf zehn Jahre angelegten Partnerschaft mit dem russischen Forschungs- und Entwicklungszentrum ScanEx im September 2010.

Dass das Unternehmen mit dem AstroTerra-Programm aktiv Initiative ergreift, zeigt sich auch am neuen Geschäftsmodell: erstmals hat im Erdbeobachtungsgeschäft ein privates Unternehmen sämtliche Kosten für die Entwicklung eines solchen Systems geschultert. „Wir haben auch die Möglichkeit einer öffentlich-privaten Partnerschaft (Public-Private Partnership – PPP) geprüft, aber derzeit haben Regierungen großes Interesse daran, die gesamte Finanzierung in die Hände der Unternehmen zu legen“, erklärt Ghesquiers. Die Verantwortung für die Betriebsphase wurde zu großen Teilen an Airbus Defence and Space übertragen. Das Unternehmen wird die Systemmanagement-Aktivitäten übernehmen (im Spot-5-Programm ist hierfür Frankreichs Raumfahrtbehörde CNES zuständig) und das gesamte Bodenstations- und Satellitenkontrollsystem bereitstellen.

Airbus Defence and Space wird zudem von den engen Verbindungen zur Satellitenkonstellation Pléiades und den Radarsatelliten TerraSAR-X and TanDEM-X profitieren. „Die Satelliten Spot 6 und 7 wie auch Pléiades 1 und 2 werden im selben Orbit positioniert und bilden damit eine echte Konstellation, die eine zweimal tägliche Wiederholrate und eine Vielzahl unterschiedlicher Auflösungen ermöglicht. Die tägliche Nutzung dieser Konstellation wird mit dem kommerziellen, vom Bereich Geoinformationsdienste in Deutschland gesteuerten Betrieb der Satelliten TerraSAR-X und TanDEM-X koordiniert, um einen optimalen Allround-Service zu gewährleisten“, fügt er hinzu. Leicht und agil „Noch vor zehn Jahren hätten wir diese Satelliten nicht bauen können“, sagt Michel Siguier, AstroTerra-Projektmanager bei Airbus Defence and Space. Die Suche nach den benötigten innovativen Lösungen konzentrierte sich auf drei Bereiche: hohe Auflösung (zwei Meter), große Abdeckung (60 Kilometer Schwadbreite) und längere Lebensdauer (zehn statt bisher fünf Jahre). „Die größte technische Herausforderung waren der enge Zeitplan und die Reduzierung des Startgewichts um mehr als zwei Drittel gegenüber Spot 5 – von 2,7 Tonnen auf nur 800 Kilogramm. Entscheidend war: alles musste kleiner werden, vor allem die Instrumente. Hier haben wir in vielen Bereichen völliges Neuland betreten und beispielsweise einen neuen Detektor entwickelt“, berichtet Siguier begeistert.

Einmal mehr konnte Airbus Defence and Space seine Erfahrung auf dem Gebiet der Siliziumkarbid-Technologie gewinnbringend einsetzen. Durch die Herstellung von Optik- und Strukturelementen aus einem gemeinsamen Material – Siliziumkarbid – wurde die Eigenstabilität des Satelliten deutlich verstärkt. „Mit diesem Produktions-Know-how konnten wir für die Optikinstrumente von Spot 6 und 7 eine optimale Lösung anbieten und damit das erforderliche hohe Leistungsniveau zum besten Preis und innerhalb des geforderten kurzen Zeitrahmens bereitstellen. Zudem wurden auch die Auslegung und der Betrieb der Bodensegmenteinrichtungen optimiert, um das zugängliche Netz von Polstationen optimal einzubinden. „Dieser Ansatz wird uns prinzipiell ermöglichen, die Zahl unserer täglichen Missionspläne für jeden Satelliten von einem auf sechs pro Tag zu erhöhen. Damit können wir die Art der benötigten Bilder auf Just-in-Time-Basis einprogrammieren“, fügt er hinzu.

Eine weitere deutliche Verbesserung ist die Aufzeichnung von Stereobildern in einem einzigen Überflug („Single Pass“). Dieses Verfahren wird durch die erhöhte Agilität der Satelliten ermöglicht, wie Siguier erklärt: „Bei Spot 5 war es so: Stand der Satellit über Toulouse und benötigte man ein Bild von Montpellier, musste man einen Mechanismus in Gang setzen, der den Spiegel bewegte. Bei Spot 6 und 7 hingegen bewegt man statt des Instruments gleich den ganzen Satelliten. So werden wir in der Lage sein, Bilder der Erdoberfläche aus einem Blickwinkel aufzunehmen und anschließend den Satelliten zu bewegen, um einem anderen Blickwinkel aufzunehmen. Diese beiden Perspektiven werden dann zu einem Stereobild kombiniert.“ Mit diesen „Stereo“-Satelliten erhöht Airbus Defence and Space quasi die „Surround“-Qualität seiner Fernerkundungsdienste.

SPOTGeo-Informationssservice