Airbus Defence and Space

Europa verfügt in der bemannten Raumfahrt über alle Fähigkeiten, außer der, Astronauten in den Weltraum zu senden und sicher zur Erde zurückzubringen. Dank der Erfahrung durch Columbus, ATV und Wiedereintritt in die Erdatmosphäre (ARD) hat Europa aber die besten Voraussetzungen, einen eigenständigen, bemannten Zugang zum Weltraum zu planen und vorzubereiten.

So wie Ariane 5 den unabhängigen Zugang zum All sichert, sollte Europa auch im Bereich der bemannten Raumfahrt seine Unabhängigkeit sichern.

Diese Unabhängigkeit bezieht sich auf den Zugang zur Raumstation ISS und dem Columbus Labor ebenso wie auf künftige bemannte Missionen zum Mond.

 

Zudem könnte Europa dann als gleichwertiger Kooperationspartner bei internationalen Programmen auftreten. Die ATV-Evolution Studie passt daher auch gut in die programmatischen Überlegungen der drei großen europäischen Raumfahrtbehörden, DLR in Deutschland, CNES in Frankreich und ASI in Italien. Alle drei Raumfahrtagenturen haben der Europäischen Weltraumorganisation ESA vorgeschlagen, für die Versorgung der ISS auch eine Rückkehrmöglichkeit für Güter von der ISS zur Erde zu untersuchen. Ein entsprechender Raumtransporter wäre ein konkreter erster Schritt in der ATV-Evolution Entwicklungslogik. Sein Betrieb würde gleichzeitig Beiträge zur späteren Flugqualifikation des bemannten Systems leisten.

Ziel der ATV-Evolution-Studie war es zu untersuchen, ob Europa in der Lage wäre, eine solche Mission erfolgreich zu gestalten.

Erste Ergebnisse der Studie


Aus technischer und technologischer Hinsicht wären beide Schritte von ATV-Evolution absolut machbar. Dank Columbus, beherrscht Airbus Defence and Space die Habitat-Erfahrung, mit ATV die Flugsteuerung, Rendezvous & Docking, und hat damit innovative Technologien entwickelt. Auch hat das Unternehmen den Wiedereintritt mit ARD und Huygens bereits vor Jahren erfolgreich erprobt.

Eine wichtige Erkenntnis der Studie ist also, dass Europa bereit die wichtigsten technischen Schritte hinter sich hat, um Güter- und Personentransport zu realisieren. Das ist eine viel günstigere Situation als wenn Träger und Vehikel völlig neu zu entwickeln wären.

Eine Entwicklung könnte in mehreren Schritten erfolgen. Zuerst muss ATV in der Lage sein, Frachtgüter aus dem All zurück zur Erde zu bringen. Heute verglüht ATV in der Atmosphäre. Das macht auch deshalb Sinn, weil nach der Außerdienstnahme der US-Shuttles die Rückkehrkapazität zur Erde nur noch mit der Soyuz-Kapsel möglich und somit auf wenige Kilogramm begrenzt sein wird.


In einem ersten Schritt würde also auf einem angepassten ATV-Servicemodul eine Rückkehrkapsel entwickelt und erprobt werden. Aller Entwicklungsaufwand sollte auch direkt für spätere Schritte nutzbar sein, also würde diese Kapsel bereits in Größe und Auslegung einer späteren Kapsel für Asrtonautentransport entsprechen. Ein erster Demonstrationsflug des weiterentwickelten Transportsystems auf ATV Basis wäre unbemannt für Fracht in 2013/2014 denkbar. Als Träger käme die unmodifizierte Ariane 5 ES-ATV in Betracht, die ihr Können bereits mit dem Start von ATV Jules Verne unter Beweis gestellt hat.

In einem zweiten Schritt würde dann die Kapsel für den Transport von drei Astronauten umkonfiguriert sowie durch ein Rettungssystem für Kapsel und Besatzung erweitert. Die Erfahrung aus dem orbitalen Betrieb der Fracht-Version würde übrigens direkt in die Qualifizierung dieser bemannten Version einfließen. Als Träger käme zunächst wieder die Ariane 5 ES-ATV in Betracht, die für diese Anwendung allerdings mit passender Sensorik ausgerüstet werden müsste, die im Fall von Problemen eine autonome Aktivierung des Rettungssystems ermöglicht. Ein erster Flug einer eigenständigen europäischen bemannten Raumkapsel wäre in dieser Logik für 2017/2018 denkbar.



Wie kann diese Studie Realität werden?

Wie bei allen Raumfahrtprojekten ist es letztlich eine politische Entscheidung, in eine Weiterentwicklung des ATV einzusteigen oder Studien hierzu aufzulegen. Aufgabe der staatlichen Raumfahrtbehörden ist es, diese Entscheidungen vorzubereiten und anschließend umzusetzen. Die Raumfahrtindustrie entwickelt und baut dann Trägerraketen und Raumtransporter im Auftrag der Behörden. Somit ist die ATV-Evolution Studie von Airbus Defence and Space als ernsthafter und praxisnaher Vorschlag für eine Weiterentwicklung des ATV und der europäischen Fähigkeiten in der Raumfahrt zu sehen.

ARVATV