Airbus Defence and Space

ATV2 – die letzten Startvorbereitungen

ATV2 befindet sich derzeit in der letzten Testphase, bevor es im Februar 2011 an Bord der Ariane 5 von Kourou aus seine Reise zur ISS antritt. ‚Airbus Defence and Space’ hat sich die laufenden Startvorbereitungen in Kourou in Französisch Guyana näher angesehen.

Das Johannes-Kepler-ATV2-Logo. Das unbemannte Versorgungsfahrzeug ATV (Automated Transfer Vehicle) ist der technologisch anspruchsvollste Raumtransporter, der je in Europa entwickelt und gebaut wurde. Trotz seines Gewichts von 20 Tonnen, das ungefähr dem Gewicht eines Londoner Doppeldeckerbusses entspricht, und einer Spannweite von 22 Metern ist das ATV so präzise, dass es bei einer Annäherungsgeschwindigkeit von 28.000 km/h vollständig autonom auf 1,7 cm genau an die Internationale Raumstation (ISS) andocken kann. Das zweite ATV, das nach Johannes Kepler, einem Astronomen und Mathematiker des 16. Jahrhunderts, benannt wurde, verließ Airbus Defence and Space Bremen im Mai dieses Jahres.

ATV – von der Konzeption bis zur Produktion

Nach dem erfolgreichen Flug des Jules Verne ATV1 beginnt für das ATV-Programm nun die Phase der Serienproduktion mit dem Endziel kürzerer Bauzeiten. „Wir haben zusammen mit unserem Kunden, der Europäischen Weltraumorganisation ESA, die in der so erfolgreichen ersten ATV-Mission gewonnenen Erkenntnisse gründlich ausgewertet und für das ATV2 berücksichtigt“, sagt ATV-Programmleiter Olivier de la Bourdonnaye. Airbus Defence and Space wurde von der ESA mit Entwicklung und Produktion des ATV beauftragt. Auch Missionsvorbereitung und Betriebsunterstützung sind Teil dieses Vertrags über insgesamt fünf ATVs, die in Abständen von jeweils zwölf Monaten ausgeliefert werden sollen. Das nach dem italienischen Physiker Edoardo Amaldi benannte ATV3 befindet sich bereits im Reinraum bei Airbus Defence and Space in Bremen, sein Avionik-System (EAB) durchläuft derzeit in Toulouse thermische Vakuum-Tests. De la Bourdonnaye ist überzeugt, dass die Produktion mit dem ATV5 nicht abgeschlossen ist: „Wir haben bereits einen Vertragsentwurf für ATV6 und ATV7 eingereicht. Damit kann die ESA eine Entscheidung über eine Verlängerung des ISS-Forschungsprogramms bis zum Jahr 2020 treffen.“

ATV-Systemqualifikation und größerer nutzbarer FrachtraumJohannes Kepler verließ Airbus Defence and Space Bremen im Mai 2010 auf einem Tieflader. Von Bremen aus wurde es auf der MS Toucan nach Kourou verschifft.

Nachdem das erste ATV den Beweis für außergewöhnliche Präzision erbracht hat, muss Johannes Kepler keine Demonstrationstests durchlaufen. Die Qualifikation wurde bereits für das gesamte ATV-System abgeschlossen: Jules Verne hat die Sicherheit und Zuverlässigkeit der ATV-Flugkontrollfunktionen in vollem Umfang demonstriert. Die Fehlertoleranz der Kommunikationsverbindung zwischen dem ATV und dem Kontrollzentrum in Toulouse ist doppelt redundant ausgelegt und ermöglicht einen effektiven Datenaustausch und eine nahtlose Flugüberwachung. So verkürzt sich die etappenweise Annäherung des ATV2 an die ISS im Freiflug und demzufolge auch die Flugdauer zur Internationalen Raumstation. „Die Integrationsteams in Bremen, Les Mureaux und Kourou haben ganze Arbeit geleistet“, lobt De la Bourdonnaye. „Das Modul wurde pünktlich geliefert und erfüllte alle Anforderungen des Kunden.“

Beladen des ATV mit den Frachttransporttaschen (CTBs) bei optimaler Raumausnutzung.Das ATV ist in erster Linie ein Frachttransporter, dessen Staufächer (Racks) für das ATV2 mit einer leichteren Bauweise sogar noch verbessert wurden. Zudem wurde gleichzeitig eine Erweiterung des nutzbaren Stauraums pro Staufach um 25 % erreicht. Durch eine optimale Nutzung des verfügbaren Stauraums können in einem Staufach nun noch mehr Frachttransporttaschen – kurz CTBs – untergebracht werden. Auch die Vorrichtung für späte Zuladungen wurde optimiert, sodass Kunden Trockenfracht noch kurz vor dem Start bequem in das ATV laden können. „Die Optimierung der Frachtkapazität ist eine unserer wichtigsten Aufgaben, da das ATV hauptsächlich für Versorgungstransporte zur ISS genutzt wird. Weitere Merkmale wie die automatischen Abläufe für Annäherung und Andocken an die ISS machen das ATV zusammen mit der damit verbundenen innovativen Technologie zum modernsten europäischen Raumtransporter aller Zeiten“, sagt Wolfgang Paetsch, Implementation Manager des ATV-Programms bei Airbus Defence and Space in Bremen.

ATV – abschließende Tests und Betankung in Kourou

Am Weltraumbahnhof Kourou wurde bereits der endgültige Zusammenbau des Raumtransporters, des Frachtmoduls ICC (Integrated Cargo Carrier), das die gesamte Versorgungsnutzlast befördert und 60 % der Masse des ATV ausmacht, der Solarpanels und des Distanzmoduls SDM (Separation and Distancing Module) abgeschlossen. Johannes Kepler durchläuft derzeit eine weitere Testphase, bevor es mit Fracht beladen, betankt und in der Nutzlastverkleidung einer Ariane 5 ES, einer speziell für den Transport des ATV angepassten Ariane-Version, untergebracht wird.

Anfang November fand in Europas Weltraumbahnhof in Kourou das Rendezvous des ATV-Raumfahrzeugs mit dem Frachtmodul ICC statt.


Der Erfolg von Missionen dieses Kalibers ist zweifellos der überragenden Arbeit der Airbus Defence and Space-Ingenieure zu verdanken. „Wir sind vollständig im Zeitplan. Alle Teams haben wirklich ausgezeichnete Arbeit geleistet, und alle maßgeblichen Funktionstests wurden erfolgreich abgeschlossen“, so Dr. Wolfgang Paetsch. „Nun kümmern wir uns verstärkt darum, die verschiedenen Treibstoffe an Bord des ATV zu bringen. Unsere Teams legen sich zusammen mit unseren Partnern in dieser Phase vor dem Start mächtig ins Zeug. Wir freuen uns auf den Start von ATV2 Johannes Kepler im Februar 2011 und auf den Start von ATV3 Edoardo Amaldi im nächsten Jahr”, ergänzt De la Bourdonnaye. Nun bleibt uns nur noch, Johannes Kepler eine erfolgreiche Mission zur ISS zu wünschen!

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