Airbus Defence and Space

Das Airbus Defence and Space Team erledigt den gefährlichsten Job für ATV-3

Der Umgang mit über 7 Tonnen Treibstoff erfordert besondere Kenntnisse und körperliche Fitness

Unter allen Transportfahrzeugen, die die ISS beliefern, führt das ATV den meisten Treibstoff mit: allein ATV-3 wurde im Januar 2012 mit über 7 Tonnen Treibstoff verschiedenster Art betankt. Der Treibstoff  wird vor allem dazu genutzt die Umlaufbahn der ISS anzuheben und ihre Lage im Raum zu korrigieren. Denn jeden Tag verliert die ISS zwischen 50 und 100 Meter an Höhe. Damit erfüllt ATV-3 eine existenzielle Aufgabe für die gesamte Raumstation.

Betankt wird das ATV in Kourou, Französisch Guyana, am europäischen Raketenbahnhof Centre Spacial Guyanais CSG. Verantwortlich dafür ist ein spezielles Airbus Defence and Space Betankungsteam.

Links: Luftbild vom Centre Spatial Guayanais (CSG) in Kourou, Französisch Guyana

Links: Luftbild vom Centre Spatial Guayanais (CSG) in Kourou, Französisch Guyana

Der Umgang mit Treibstoffen ist immer eine heikle Angelegenheit. Sie sind zumeist leicht entzündlich, hochgiftig und können bei falschem Umgang gravierende Schäden anrichten, vor allem aber Menschenleben gefährden. Kein Wunder also, dass die Betankung des ATV-3 besonderen Sicherheitsvorkehrungen unterworfen ist. Profis auf diesem Gebiet sind die Airbus Defence and Space Mitarbeiter des ATV-Betankungsteams, die gerade erfolgreich die Mission „Edoardo Amaldi“ abgeschlossen haben. Seit Januar ist das ATV-3 um über 7 Tonnen Treibstoff schwerer.

Ein ATV zu betanken ist immer etwas Besonderes“, sagt Bernardo Laurenzana, Teamleiter des 16-köpfigen Betankungsteams, der bereits die dritte ATV-Mission betreut. „Nicht nur hinsichtlich der Menge des Treibstoffes, den wir betanken müssen, ist eine ATV-Mission einzigartig. Gerade die vermehrt geforderten Test- und Prüfprozesse, wie z.B. die mehrfache Entnahme von Treibstoffproben an verschiedenen Stellen des Betankungs-Setups im Vorfeld, erfordern ein Höchstmaß an Manpower und Konzentration – und das immer unter Zeitdruck“, sagt der Teamleiter.

Mit der Betankung eines Satelliten sei das keinesfalls vergleichbar. „Das sieht man schon daran, dass man für die Betankung eines Satelliten drei Wochen unterwegs ist und für das ATV drei Monate“, so Laurenzana. Das schweiße zusammen und mache aus einem Team regelrecht eine zweite Familie.

Rechts: Ein Teil der Betankungsvorrichtungen des FGSE in den Werkshallen am Airbus Defence and Space Standort Lampoldshausen

Bild rechts: Ein Teil der Betankungsvorrichtungen des FGSE in den Werkshallen am Airbus Defence and Space Standort Lampoldshausen

Für das Airbus Defence and Space Team (aus Lampolshausen) hat der Einsatz schon vor Monaten in der Heimat begonnen. Die Betankungsvorrichtung, das FGSE (Fluid Ground Support System), wird als erstes auf die Reise nach Kourou geschickt, wenige Wochen später folgt dann das Team.

Das Betankungsteam (aus Lampoldshausen) vor dem ATV-3 "Edoardo Amaldi" in Kourou

 

Bild links: Das Betankungsteam (aus Lampoldshausen) vor dem ATV-3 "Edoardo Amaldi" in Kourou

„Die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter vor Ort sind nicht zu Unterschätzen und fordern diese vor allem auch körperlich“, erklärt Laurenzana zu den Besonderheiten eines Einsatzes als Betanker. Deshalb sind neben den allgemeinen Trainings- und Sicherheitsschulungen vor allem auch ärztliche Checks im Vorfeld jeder Mission eine zwingende Voraussetzung. Betrachtet man den Betankungsprozess, wird deutlich warum dies nötig ist.

 

 Vorbereitung der Betankung des ATV (links) mit dem Oxidator MON-3 für das Antriebssystem des ATV

Bild unten: Vorbereitung der Betankung des ATV (links) mit dem Oxidator MON-3 für das Antriebssystem des ATV

Betankt wurden bei ATV-3 insgesamt zwei Systeme: zum einen das ATV-Antriebssystem, das der Flug- und Lageregelung des ATV während seines Anflugs dient und für den Reboost der ISS genutzt wird, zum anderen Treibstofftanks, die als Fracht mitfliegen und mit denen später das russische Fuel-System der ISS befüllt wird. „Allein für das ATV-Antriebssystem (PRSS) müssen in zwei separaten Abläufen mehr als 6 Tonnen der zwei Komponenten Mono Methyl Hydrazin und Oxydator MON-3 getankt werden. Jeder einzelne Tankvorgang dauert jeweils 24 bis 30 Stunden, möglichst ohne Unterbrechung.

Obwohl die Treibstoffe während der Betankung in einem geschlossenen System fließen, sind höchste Sicherheitsanforderungen erforderlich.

Obwohl die Treibstoffe während der Betankung in einem geschlossenen System fließen, sind höchste Sicherheitsanforderungen erforderlich.

Although the propellant flows through a sealed, self-contained system during the fuelling process, the team is still required to take maximum safety precautions (© Airbus Defence and Space)

„Die Mitarbeiter sind verpflichtet, in der Zeit des Tankvorgangs Ganzkörper-Schutzanzüge zu tragen – und das, obwohl der Betankungsvorgang ein völlig abgeschlossener Prozess ist“, erklärt Laurenzana. Gerade aufgrund der langen Betankungszeiten ist ein großes Team erforderlich. Diese langen Betankungszeiten sowie die hohe Achtsamkeit und Konzentration, die beim Umgang mit den gefährlichen und zum Teil giftigen Stoffen unerlässlich ist und der aufwendige Reinigungsprozess der Betankungsvorrichtung im Anschluss, machen den Betankungsvorgang zu einem körperlich anstrengenden Einsatz für das Team.

Bei Außentemperaturen bis zu 40°C und mit Gummistiefeln und Schutzanzügen kann es ohne Klimaanlage schon mal ganz schön heiß werden.

Bei Außentemperaturen bis zu 40°C und mit Gummistiefeln und Schutzanzügen kann es ohne Klimaanlage schon mal ganz schön heiß werden.

„In Räumen ohne Klimaanlage, bei Temperaturen zwischen 25°C und 40°C und mit dicken Schutzanzügen und Gummistiefeln versehen, kann ein Arbeitstag dann schon mal ganz schön lang werden“, sagt Laurenzana. Er und sein Team sind bereits wieder in Lampoldshausen. Bis Ende März soll die FGSE-Betankungsvorrichtung dann wieder im südamerikanischen Kourou sein. Ohne Zeitverzögerung wird diese dann gewartet und für die neue Mission ATV-4 vorbereitet. „Auch, wenn Edoardo Amaldi noch gar nicht gestartet ist, für mich ist die Mission bereits abgeschlossen“, sagt Betankungsspezialist Laurenzana. „Sobald ich Guyana verlasse, bin ich gedanklich schon bei der nächsten bevorstehenden ATV-Mission.“

 

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