Airbus Defence and Space

Das thailändische Erdbeobachtungssystem

Nachdem Thailand jahrelang Fernerkundungsdaten von Satelliten anderer Länder bezogen, dann aber die Entwicklung eines eigenen Systems beschlossen hatte, unterzeichneten die thailändische Raumfahrtbehörde GISTDA (Geo-Informatics and Space Technology Development Agency) und Airbus Defence and Space Mitte 2004 einen Vertrag über die Entwicklung eines vollständigen Systems.

Dieses besteht aus einem optischen Erdbeobachtungssatelliten und dem dazugehörigen Bodenkontrollsegment, das von den thailändischen Behörden selbst betrieben werden soll. Hinzu kommen Bildverarbeitungs-Infrastrukturen und ein breites Spektrum von Erdbeobachtungs-Anwendungen, die eigens auf Thailands spezielle geografische und wirtschaftliche Anforderungen zugeschnitten sind. THEOS wird Thailand mit geo-referenzierten Bilddaten und Bildverarbeitungs-Infrastrukturen für Anwendungen in Kartographie, Raumordnung, Forstwirtschaft und Küstenüberwachung, bei der Beobachtung von Agrarflächen und beim Management von Überflutungsrisiken versorgen.

 

Die Vorteile der Unabhängigkeit

Eigene hochmoderne Beobachtungs-Infrastrukturen autonom zu betreiben, die Nutzung der Satelliten selbst zu planen sowie über Bild- und Datenverarbeitungs-Fähigkeiten zu verfügen, die exakt auf die geographischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten des Landes abgestimmt sind, hat für das Thai-Königreich zahllose Vorteile.

Wie die Ereignisse vom Dezember 2004 tragisch bewiesen, liegt Thailand in einem Erdteil, der dem Risiko plötzlicher extremer Bedingungen mit katastrophalen Folgen ausgesetzt ist. Angesichts seiner langen, dünnen Landzunge im Süden ist Küstenüberwachung für Thailand unverzichtbar. Außerdem besteht hier die Gefahr sowohl von Dürre als auch von Überschwemmungen. Da 55% der verfügbaren Landfläche für den Reisanbau genutzt wird – die Lebensgrundlage von 3,6 Millionen Familien und eine tragende Säule der thailändischen Volkswirtschaft mit einem jährlichen Exportvolumen von etwa sieben Millionen Tonnen –, sind spezifische Prognosen unverzichtbar. Eine junge Industrienation wie Thailand muss ihre Bodennutzung überwachen können, sowohl zur Steuerung des Einsatzes natürlicher Ressourcen (wie zur Kontrolle des Ge- und Missbrauchs von Waldflächen oder im Bergbau) als auch für die wirtschaftliche Entwicklungsplanung (Landwirtschaft, Fernmeldeinfrastruktur, Stadtplanung). Und auch der illegale Rauschgiftanbau und -handel sind eindeutig ein Problem, bei dessen Bekämpfung eine verbesserte Informationslage zweifellos hilfreich sein wird.

 

Nationalheld



THEOS hat seinen Start noch vor sich – ein Star ist er aber schon. Die Thais warten ungeduldig auf ihr neues Erdbeobachtungssystem, das hier bereits in aller Munde ist. Im Jahr 2006 trumpfte der Umweltschützer Sommai Wattanamongkol bei einem Drachen-Festival in Cha’am, Phetchaburi, mit einem besonders kunstvollen Exemplar auf: einem Modell des Satelliten in Originalgröße!

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