Airbus Defence and Space

Das Ziel - der Komet

2014 wird das Rendezvous-Manöver mit "67P" eingeleitet. Im August 2014, also über zehn Jahre nach dem Start, ist das Ziel erreicht und Rosetta schwenkt in eine Umlaufbahn um den Kometen ein. Dann beginnt der spannendste Teil des Unternehmens. "Chury" ist zu dieser Zeit rund 675 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. Hier, in der eisigen Kälte des Weltraums ist der Komet noch nicht aktiv, das heißt er gibt kein Gas ab, das eine Hülle (Koma) oder einen Schweif ausbilden könnte.

In dieser Zeit wird die Oberfläche aus wenigen Kilometern Entfernung aufgenommen. Erstmals werden die Forscher - und mit ihnen die Öffentlichkeit - die Oberfläche eines Kometen genau sehen können. Details bis herunter zu einem Meter sollen noch erkennbar sein. Die Kamera entstand im Max-Planck-Institut für Aeronomie in Katlenburg/Lindau. Dort sitzen die Experten, die bereits die erfolgreiche Giotto-Kamera gebaut haben. Gleichzeitig werden Spektrometer die Oberfläche in verschiedenen Farbbereichen bis zum Infraroten hin abscannen. Aus diesen Daten lässt sich die mineralische und chemische Zusammensetzung des Oberflächenmaterials ermitteln. Vermutlich muss man sich die Oberfläche wie eine schmutzige, verharschte Eiswüste vorstellen. Auf dem Halleyschen Kometen machte man lange Schluchten, weite Krater und bis zu 900 Meter hohe Hügel aus. Ob "Churyumov-Gerasimenko" ähnlich aussieht, weiß bisher niemand.

 

Mit der Kamera an Bord des Orbiters wird man auch nach einem möglichst ebenen Terrain suchen, denn im November 2014 soll Rosetta ein Landegerät, das unter der Führung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt wurde, auf der Oberfläche absetzen.

 

Obwohl "Churyumov-Gerasimenko" etwa viermal größer als das ursprüngliche Ziel "Wirtanen" ist, muss der Lander an der Oberfläche verankert werden. Sonst bestünde aufgrund der immer noch geringen Schwerkraft die Gefahr, dass der Lander sich wieder von der Kometen-Oberfläche löst. Die größere Anziehungskraft von "67P" ist allerdings kein Vorteil, denn: Mehr Masse bedeutet in dem Fall auch eine größere Anflug- und Aufprallgeschwindigkeit - für die die Beine des Landers zunächst nicht ausgelegt waren. Ein spezielles Dämpfungssystem, an dessen Entwicklung die Airbus Defence and Space Friedrichshafen ebenfalls mitgewirkt hat, hat dieses Problem gelöst.

 

Das Landegerät wird eine Reihe aufwändiger Instrumente für die Analyse der Bodenproben an Bord haben. Außerdem wird eine Kamera Panoramabilder schießen. Sie ist in Zusammenarbeit des Instituts für Planetenerkundung des DLR in Berlin mit französischen Forschern. entstanden. Es ist sogar geplant, eine Mikrokamera in ein Bohrloch abzusenken, um den Aufbau der Kometenkruste zu ermitteln.

 

Während Rosetta weiter ihre Kreise um den Kometen zieht, nähert sich dieser auf seiner Bahn der Sonne. "Chury" erwacht aus seiner Eisstarre und beginnt sich aufzuheizen. Gase verdampfen von der Oberfläche und aus seinem Innern. Sie reißen auch Staubteilchen mit, und so bildet "67P" eine Koma und einen Schweif aus. Nun werden die insgesamt elf Messgeräte an Bord von Rosetta Gas und Staub untersuchen.

 

Rund ein Jahr nach der Ankunft der Sonde erreicht der Komet seinen sonnennächsten Punkt auf der Umlaufbahn, wo er am aktivsten ist. Einige Monate danach ist die Satellitenmission beendet. "Churyumov-Gerasimenko" zieht sich wieder in die äußeren, eisigen Bereiche des Planetensystems zurück.

 

Die Forscher haben somit erstmals die Möglichkeit, „live“ zu verfolgen, wie sich die Kometenoberfläche im Laufe der „Jahreszeiten“ verändert. Auf den Giotto-Aufnahmen konnte man bereits erkennen, dass offenbar aus Spalten in der Oberfläche gewaltige Gasfontänen, so genannte Jets, herausschießen. Rosetta wird uns diesen Vorgang wesentlich genauer vor Augen führen und noch weitere Rätsel, die die Kometen umgeben, lösen.

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