Airbus Defence and Space

Datenrelaissystem EDRS

Die Revolution im Weltall

In drei Jahren ist es soweit: Dank eines geostationären Relaissystems bietet Airbus Defence and Space künftig einen Datenübertragungsdienst, mit dem Satellitenbilder nahezu in Echtzeit empfangen werden können.

Ein Jahr nach dem Abkommen von ESA und Airbus Defence and Space über eine öffentlich-private Partnerschaft für Entwicklung und Betrieb des EDRS-Projekts steht der Produktion der ersten Nutzlasten nichts mehr im Wege (© ESA)

Ein Jahr nach dem Abkommen von ESA und Airbus Defence and Space über eine öffentlich-private Partnerschaft für Entwicklung und Betrieb des EDRS-Projekts steht der Produktion der ersten Nutzlasten nichts mehr im Wege © ESA.

Satellitengestützt gesammelte Daten werden über eine zentrale Stelle kontinuierlich und ohne gigantisches Netzwerk terrestrischer Stationen an die Empfänger am Boden übertragen – dank des Datenrelaissystems EDRS (European Data Relay System) wird diese Vorstellung in Europa bald Realität sein. Ein Jahr nach ihrem Abkommen über eine öffentlich-private Partnerschaft in der Umsetzungs- und Betriebsphase und nach Prüfung der kritischen Elemente bestätigten die Europäische Weltraumorganisation ESA und Airbus Defence and Space, dass das Programm wie geplant voranschreitet.

„Wir haben mit der ESA ein zufriedenstellendes Finanzabkommen geschlossen und Antworten auf die drängendsten technischen Fragen gefunden“, berichtet Philippe Vidal, operativer Leiter der Airbus Defence and Space-Services-Division Government Communications. „Zwar stehen uns noch ein paar anspruchsvolle Aufgaben bevor, aber wir verfügen über das nötige Rüstzeug, um auch diese zu bewältigen.“

Gemeinsam mit seinen Partnern muss sich Airbus Defence and Space nun der Herausforderung stellen, die beiden ersten, von Airbus Defence and Spaces deutscher Tochter TESAT gefertigten Nutzlasten in ihre Umlaufbahnen zu bringen.

 

Das Laserkommunikationsterminal (Laser Communication Terminal, LCT) von TESAT
Das Laserkommunikationsterminal (Laser Communication Terminal, LCT) von TESAT

 

Die erste Nutzlast – EDRS-A – wird Ende 2014 bzw. Anfang 2015 als sogenannte Hosted Payload eines Eutelsat-Satelliten, der eine Orbitposition bei 9° Ost einnehmen wird, in den Weltraum befördert und zuvor von Airbus Defence and Space, dem Hauptauftragnehmer für diesen Satelliten, integriert. Nutzlast Nummer 2, EDRS-C, startet Anfang 2016 mit einem von Unterauftragnehmer OHB-System produzierten Satelliten zur Position bei 31° Ost. Airbus Defence and Space richtet darüber hinaus die drei Bodenstationen in Deutschland, Belgien und Großbritannien ein, von wo aus die Daten an die Kunden weitergeleitet werden.

Die erste, von TESAT in Deutschland gefertigte EDRS-Nutzlast wird als Hosted Payload in den von Airbus Defence and Space für Eutelsat produzierten Satelliten EUTELSAT 9B integriert, der nach seinem Start 2014 bzw. 2015 bei 9° Ost Position über dem Äquator beziehen wird

Die erste, von TESAT in Deutschland gefertigte EDRS-Nutzlast wird als Hosted Payload in den von Airbus Defence and Space für Eutelsat produzierten Satelliten EUTELSAT 9B integriert, der nach seinem Start 2014 bzw. 2015 bei 9° Ost Position über dem Äquator beziehen wird

 

Diese Konstellation wird dann den Atlantischen und Indischen Ozean sowie Europa, Afrika, weite Teile Asiens, darunter auch den Nahen Osten, und die gesamte kontinentalamerikanische Ostküste abdecken. Zur lückenlosen Ausleuchtung der gesamten Erdoberfläche werden eventuell später im Rahmen eines weiteren Vertrags mit der ESA noch EDRS-D und EDRS-E hinzukommen.

Künstlerische Darstellung von ERDS (© ESA)

Künstlerische Darstellung von ERDS © ESA

Im Gegensatz zu aktuellen amerikanischen oder russischen Systemen verknüpft das europäische System die Satelliten im Ka-Band bei einer Übertragungsrate von 300 Megabit pro Sekunde und gewährleistet dank Lasertechnik vor allem einen beeindruckenden Datendurchsatz von 1,8 Gigabit pro Sekunde. Nach ihrem ersten Einsatz im Weltraum durch Airbus Defence and Space im Jahr 2001 wird diese Spitzentechnologie künftig von einer Infrastruktur genutzt werden, die weltweit erstmals zur Anwendung kommt. Europa gelingt so ein technologischer Durchbruch, der einen komplett neuen Markt eröffnen wird.

Als erstes wird das europäische GMES-Programm für die globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung von EDRS profitieren

Als erstes wird das europäische GMES-Programm für die globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung von EDRS profitieren

Als erstes wird das europäische GMES-Programm für die globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung von EDRS profitieren

 

Erstkunde von EDRS ist – natürlich – die ESA: Diese wird das System dazu nutzen, die Messergebnisse ihrer vier Satelliten Sentinel-1A, -1B sowie -2A und -2B, die im Rahmen des europäischen Programms GMES (Global Monitoring for Environment & Security) zur Untersuchung der Ozeane, Gletscher, Atmosphäre und Landmasse der Erde eingesetzt werden, direkt weiterzuleiten, ohne dabei, wie dies heute der Fall ist, warten zu müssen, bis die Satelliten wieder in Sichtverbindung mit einer der Stationen in Kiruna (Schweden), Redu (Belgien) oder Svalbaard (Norwegen) stehen. Zudem wird es dann möglich sein, die Satelliten über die Datenrelaisstationen im Weltraum unverzüglich neu zu programmieren. Darüber hinaus wurden auf der letzten ESA-Ministerratskonferenz Ende November wichtige Entscheidungen getroffen: Zum einen ist die Finanzierung der LCT für die vier Sentinel-Satelliten nun beschlossene Sache, zum anderen wird das GMES-Weltraumsegment durch das Programm Sentinel-5 weitergeführt – und Airbus Defence and Space hat gute Chancen, den Zuschlag für diesen Vertrag zu erhalten.

Die Plattform des Satelliten Sentinel-2A am Airbus Defence and Space-Standort Friedrichshafen (© Airbus Defence and Space / A. Ruttloff / 2011)

Doch auch andere potenzielle Nutzer hat Airbus Defence and Space bereits ins Visier genommen, wie Vidal erläutert: „Wir konzentrieren uns außerdem auf behördliche und private Betreiber von Wetter- sowie Erdbeobachtungs- satelliten mit optischen oder radarbasierten Instrumenten, die auf dem erdnahen Orbit zu militärischen und/oder zivilen Zwecken eingesetzt werden. Ziel unserer -Strategie ist es, dass diese Betreiber ihre Satelliten mit einem Laserterminal ausrüsten und darüber mit den Relaisstationen kommunizieren können. Da die Durchlaufzyklen bei der Satelliten- herstellung recht lang sind, erachten wir es als wichtig, bereits vier bis fünf Jahre im Voraus anzusetzen.“

In manchen Segmenten (Radar, Wetter, Klimaforschung) sind hohe Bandbreiten und Lasertechnologie sehr gefragt, wohingegen beispielsweise Militärkunden genau abgesteckte Gebiete erfassen möchten und im Ka-Band einen möglichen Lösungsweg für ihre spezifischeren Anforderungen finden. Zu militärischen Zwecken verwendet, bieten Laser jedoch den Vorteil, dass ihre Signale nicht ohne weiteres abgehört oder gestört werden und sie in Satelliten wie auch in Drohnen integriert werden können, die immer häufiger bei langfristigen Überwachungsmissionen in großen Höhen eingesetzt werden.

Über EDRS werden Satelliten künftig ihre Bilder in, zumindest nahezu, Echtzeit übertragen – eine Premiere im Erdbeobachtungssektor und damit eine bedeutende Neuerung, die sich vor allem in Notsituationen, wie bei der Krisenbewältigung oder im Verteidigungsfall, auszahlen wird. Als weltweit führender Exporteur von Beobachtungssatelliten kann Airbus Defence and Space nicht nur sein Angebotsspektrum und damit das Einsatzportfolio der Betreiber um diesen Dienst erweitern, sondern dank Kostensenkungen beim Bodensegment seine Marktanteile sichern.

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