Airbus Defence and Space

Der Satellit Paz: Eine Sicherheits- und Verteidigungslösung aus dem Hause Airbus Defence and Space España

Airbus Defence and Space España unterzeichnete am 6. November 2008 im Beisein von Spaniens Verteidigungsministerin Carme Chacón einen Vertrag mit dem Betreiber Hisdesat über die Entwicklung und den Bau von Paz, Spaniens erstem Radarsatelliten für die Erdbeobachtung.

Paz ist die zweite Komponente im Doppelsatelliten-System des staatlichen spanischen Erdbeobachtungsprogramms und wird durch eine geschätzte Investition von 160 Mio. Euro finanziert. Spaniens Verteidigungsministerium trägt davon 135 Mio. Euro, Hisdesat den Rest – und erhält dafür ein Komplettsystem, das sowohl Weltraumsegment und Erdsegment sowie den Start selbst beinhaltet.

 

Paz ist für ein breites Anwendungsspektrum in den Bereichen Verteidigung und Sicherheit sowie möglicherweise auch im Zivilbereich konzipiert und wird deshalb über vielfältige Bilderfassungsfunktionen verfügen.

Die Arbeitsteilung gestaltet sich wie folgt:

- Airbus Defence and Space España tritt als Hauptauftragnehmer für die Entwicklung und den Bau des Satelliten auf, die vier Jahre in Anspruch nehmen werden.

- Spaniens Institut für Luft- und Raumfahrttechnik INTA ist für das Erdsegment einschließlich zweier Bodenkontrollstationen in Torrejón und Maspalomas verantwortlich.

- Hisdesat ist Eigner des Satellitensystems und zuständig für dessen kommerziellen Betrieb. Spaniens Verteidigungsministerium wird als einer der größten Kunden von Hisdesat zu den Hauptnutzern der Satellitenkapazitäten gehören.

Der Satellit, der bei jedem Wetter Tag und Nacht Bildmaterial erfassen und Informationen aus dem All zur Erde senden kann, soll vor allem die Verteidigungs- und Sicherheitsbedürfnisse der spanischen Regierung erfüllen.

 

Der Satellit 

Paz wird über ein X-Band-Radarinstrument mit synthetischer Apertur (SAR) verfügen; dieses sitzt auf einer von der Airbus Defence and Space GmbH gelieferten sechseckigen Satellitenplattform aus Kohlefaser, wie sie bereits bei TerraSAR-X in Betrieb ist. Der Radarsender wird in der am Airbus Defence and Space-Standort Madrid-Barajas entwickelten Technik mit gedruckten Strahlergruppen gebaut, die auch bei Programmen wie Envisat, Spainsat, Inmarsat and Galileo erfolgreich eingesetzt wird.

Die Gesamtmasse des Satelliten wird schätzungsweise 1.200 kg betragen, die elektrische Leistung der Solarkollektoren 850 Watt. Die für unterschiedliche Betriebsarten ausgelegte, flache Phased-Array-Antenne des Instruments mit aufgedruckten Strahlern wird 4,8 m lang und 0,7 m breit sein und mit unterschiedlichen Schwadbreiten und Auflösungen von bis zu einem Meter arbeiten.

Airbus Defence and Space España ist als Satelliten-Hauptauftragnehmer verantwortlich für die Systemtechnik, die Integration, Erprobung und Validierung sowie die betriebsfertige Bereitstellung des Satelliten im Orbit.

 

Die Mission


 Genutzt werden die im Rahmen der Mission erbrachten Geoinformationsdienste, um die Überwachung des spanischen Hoheitsgebiets und anderer Erdregionen, Spaniens Grenzschutz, die operativen Fähigkeiten von Spaniens Streitkräften, die Einschätzung von Naturkatastrophen, das Risiko- und Krisenmanagement sowie viele weitere Aufgaben zu verbessern.

Nach seinem geplanten Start im Jahr 2012 soll Paz die Erde in einem sonnensynchronen Polarorbit in einer Höhe von 505 Kilometern täglich 15-mal umkreisen. Er wird durchschnittlich 200 Bilder pro Tag liefern und eine Fläche von rund 300.000 km2 abtasten können. 

Dank dieser außergewöhnlichen Kapazitäten könnte der Satellit künftig beispielsweise auch im Kampf gegen Piraten in den Gewässern Somalias – wo diesen Sommer ein spanischer Fischtrawler gekapert wurde – oder zur Überwachung und Eindämmung der illegalen Einwanderung über spanische Gewässer eingesetzt werden. Der Betreiber Hisdesat hat zudem angekündigt, künftig auch für Spaniens Botschaften, für das Innenministerium, für das Meeresforschungsschiff „Hespérides“ und für Länder wie die USA, Mexiko, Belgien und Dänemark Dienstleistungen zu erbringen.

Eine zukunftsträchtige Investition

Unter dem staatlichen Erdbeobachtungsprogramm wird Paz ein weiterer Satellit zur Seite gestellt: der von Spaniens Industrieministerium finanzierte Satellit Ingenio, für den Airbus Defence and Space España ebenfalls Hauptauftragnehmer ist. Der mit einem optischen Instrument bestückte Schwestersatellit soll hauptsächlich für zivile Dienste genutzt werden. Das staatliche Erdbeobachtungsprogramm wird dazu beitragen, das Management von natürlichen Ressourcen, den Kampf gegen den Klimawandel, die Infrastrukturplanung und die Beobachtung von Naturkatastrophen und Waldbränden zu verbessern sowie Spanien mit unabhängigen Erdbeobachtungskapazitäten auszustatten. 

Mit diesem Programm stärkt Airbus Defence and Space España seine Position als Spaniens führender Satelliten-Hauptauftragnehmer. Pedro Méndez, CEO der Airbus Defence and Space España, kommentierte: „1995 sind wir als Hauptauftragnehmer für den Satelliten Minisat-01 erstmals in dieser Rolle aufgetreten, jüngst haben wir höchst erfolgreich das Instrument für die SMOS-Mission entwickelt. Wir haben einen langen Weg zurückgelegt, um unsere heutige Position als das spanische Referenzunternehmen für den Bau kompletter Satellitensysteme zu erreichen.“

Das staatliche Erdbeobachtungsprogramm wird der spanischen Industrie Einnahmen von rund 70 Mio. Euro sichern und vielen spanischen Programmpartnern den Erwerb neuer Fähigkeiten ermöglichen, die ihre Wettbewerbsfähigkeit am internationalen Raumfahrtmarkt verbessern. Außerdem entstehen durch das Programm rund 1.000 hochqualifizierte neue Arbeitsplätze.

Das Doppelsatelliten-System wird ab 2012 im 24-Stunden-Takt hochauflösende Satellitenaufnahmen von jedem Punkt der Erde liefern, die für eine Vielzahl von Anwendungen bestimmt sind. So wird Spanien als erstes europäisches Land über ein Erdbeobachtungssystem verfügen, das nach dem „Dual Use“-Prinzip zivile wie auch militärische Aufgaben erfüllt.

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