Airbus Defence and Space

Die Erste Deutsche Spacelab-Mission: D-1

Am 30. Oktober 1985 um 17:00:00 Uhr UTC startet das Space Shuttle Challenger vom Kennedy Space Center der NASA in Cape Canaveral, Florida, USA, zur ersten deutschen Spacelab-Mission "D-1".

In einer Höhe von 324 Kilometern umrundet das Weltraumlabor Spacelab 111mal die Erde auf einer um 57° zum Äquator geneigten Umlaufbahn. Während der Forschungsmission, die unter deutscher Leitung steht, wird im von Airbus Defence and Space in Bremen entwickelten und gebauten Spacelab Schwerelosigkeitsforschung betrieben. Die Landung erfolgt nach sieben Tagen am 6. November 1985 um 17:44:51 Uhr UTC auf der Edwards Air Force Base in der Mojave-Wüste, Kalifornien, USA.

An Bord des Shuttles befindet sich mit der achtköpfigen D-1 Crew die größte Mannschaft, die je mit Spacelab fliegen wird:  Der Kommandant Henry "Hank" Warren Hartsfield und der Pilot Steven Ray Nagel, sowie die Missionsspezialisten Guion Steward Bluford Jr., James Frederick Buchli und Bonnie Jeanne Dunbar (alle USA, NASA), Reinhard Alfred Furrer, Ernst Willi Messerschmid (beide DFVLR, D) und Wubbo Johannes Ockels (ESA, NL).

Die D-1 Mission ist die erste von zwei Spacelab-Missionen, die unter deutscher Leitung und Verantwortung läuft. Diese umfasst die Planung, Vorbereitung und Durchführung der Mission sowie die Auswertung der wissenschaftlichen und technologischen Erkenntnisse. Die Verantwortung für D-1 wird von der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR, Vorgängerin der DLR) und dem Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) getragen.

Finanziert wird die D-1 Mission aus Mitteln des BMFT, der DFVLR, Finanzierungsbeiträgen der ESA und der französischen Raumfahrtbehörde CNES. Die Projektleitung von D-1 liegt beim DFVLR. Die durchzuführenden Hauptaufgaben sind:

  • die Entwicklung und Bereitstellung der Nutzlastelemente und Experimente;
  • die analytische und physikalische Integration und Verifikation der Nutzlast einschließlich der Missions-Software und missionsspezifischer Geräte;
  • Nutzlastbetrieb, Vorbereitung und Durchführung während der Mission;
  • die Auswahl und Ausbildung der Crew;
  • die Aufbereitung, Reduktion und Auswertung der Missionsdaten, sowie die Kommunikation zwischen Bodenkontrollzentrum und Flugmannschaft;
  • und die Koordination der von der NASA zu erbringenden Dienstleistungen.

Für die wissenschaftliche Betreuung wird eine von der D-1 Projektleitung unabhängige Projektführung eingerichtet, die disziplinär organisiert ist und die wissenschaftliche Zielsetzung der D-1 Forschungsmission vertritt.

Deutsche und andere europäische Universitäten, Großforschungsinstitute und Industrieunternehmen sowie ESA und NASA entwickelten Experimente, die neue wissenschaftliche und technische Erkenntnisse in unterschiedlichen Bereichen der Schwerelosigkeitsforschung erzielen sollen. Insgesamt fliegen 76 Experimente an Bord von D-1, Deutschland ist mit 44 vertreten. Insgesamt gesehen können lediglich drei Experimente aufgrund technischer Schwierigkeiten nicht oder nur bedingt erfolgreich abgeschlossen werden. Einige andere Experimentieranlagen hingegen erfüllen die Erwartungen über ihr Soll hinaus und liefern über 100 Prozent der planmäßigen Ergebnisdaten.

Während der D-1 Mission werden im Spacelab unter anderem Kristalle gezüchtet, Metalle geschmolzen und Legierungen hergestellt, Diffusionsvorgänge und Phasenübergänge erforscht, Pflanzenkeimlinge herangezogen, und Orientierungsvorgänge von Mensch und Pflanze in Schwerelosigkeit untersucht, da diese hier nicht von der Erdanziehungskraft überlagert werden.

Aus D-1 resultieren zahlreiche Erkenntnisse, Geräte und Verfahren, die Eingang in unseren Alltag finden, beispielsweise in die Telemedizin, bei der Behandlung von Glaukomerkrankungen ("Grüner Star") und neuen Produkten und Produktionsabläufen im materialwissenschaftlichen Bereich.

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