Airbus Defence and Space

Envisat: Erinnerungen an unglaubliche zehn Jahre

Hier nur einige der Ereignisse aus dem Jahrzehnt der Envisat-Mission vom Orbit aus gesehen

2002

Vor zehn Jahren in Russland

 Envisats Advanced Synthetic Aperture Radar (ASAR)Diese Aufnahme des ASAR-Instruments (Advanced Synthetic Aperture Radar) entstand kurz nach dem Start von Envisat am 8. April 2002 – genau zehn Jahre, bevor der Satellit sein letztes ASAR-Bild zur Erde sendete. Zu sehen ist ein 100 km breiter Bereich um die russische Stadt Dserschinsk 300 km östlich von Moskau. Die bildbeherrschende grün-gelbe Färbung geht auf die ausgedehnten Wälder in dieser Region zurück. Ackerflächen in den Flussniederungen östlich und südlich erscheinen in Magenta- und Purpurschattierungen. Eine Reihe kleiner Flussnetze sticht blaugrün hervor – das Wasser ist wahrscheinlich gefroren. Das von Airbus Defence and Space gebaute ASAR-Instrument ist das erste ständig weltraumgestützte Radar mit dualer Polarisation – Signale können entweder in horizontaler oder in vertikaler Polarisation gesendet und empfangen werden, was zusätzliche Informationen liefert. © ESA

2003

Brennende Ölpipeline im Irak

 Medium Resolution Imaging Spectrometer (MERIS)

Über einer brennenden Rohölpipeline im Nordirak steigt eine gigantische schwarze Rauchwolke auf, die sich über Tausende von Quadratkilometern erstreckt. Das Medium Resolution Imaging Spectrometer (MERIS) an Bord von Envisat erfasste dieses Bild am 30. August 2003. Am gleichen Tag berichteten auch verschiedene Medien darüber, dass ein Abschnitt der Pipeline in Brand geraten war. Die Rauchwolke beherrscht das Zentrum der Schwemmlandebene zwischen den Flüssen Tigris in der Bildmitte oben und Euphrat, der sich von oben links am Bild nach Süden hinzieht. Der Brand wurde erst nach zwei Tagen unter Kontrolle gebracht. © ESA

2004

10.000 Erdumrundungen

 Am 28. Januar 2004 beendete Envisat seine 10.000. Umrundung der Erde

Etwa um 18:00 Uhr WEZ am 28. Januar 2004 beendete Envisat seine 10.000. Umrundung der Erde. Seit seinem Start knapp zwei Jahre davor, am 1. März 2002, hatte der Satellit auf einer Höhe von 800 km bereits 450 Mio. km zurückgelegt – die Entfernung zwischen Erde und Mars. Das Diagramm stellt die Ozonkonzentration dar, wie sie mit dem von Airbus Defence and Space gebauten SCIAMACHY-Instrument (Scanning Imaging Absorption Spectrometer for Atmospheric CHartography) am Tag der zehntausendsten Erdumrundung kartographiert worden war. © KNMI/ESA

2005

Schlimmster Brand in Friedenszeiten auf britischem Territorium

Envisat nimmt den Großbrand mit dem MERIS-Instrument (Medium Resolution Imaging Spectrometer) auf

In den frühen Morgenstunden des 11. Dezember 2005, eines Sonntags, kam es im Öllager Buncefield bei Hemel Hempstead nördlich von London zu einer Reihe von Explosionen. Diese führten zur verheerendsten Feuersbrunst, von der Großbritannien jemals in Friedenszeiten betroffen war. In Buncefield werden jährlich Millionen von Tonnen Erdöl und Erdölprodukte umgeschlagen. Fünf Stunden nach Beginn des Brandes nahm Envisat mit dem MERIS-Instrument (Medium Resolution Imaging Spectrometer) dieses Bild auf: London liegt unter einer schwarzen Rauchwolke, die sich über 140 km erstreckt. Es gab keine Todesopfer, aber es wurden mehr als 40 Personen verletzt und etwa 2.000 Anwohner mussten aus dem Umkreis des Öllagers evakuiert werden. © ESA

2006

Eisanomalie im arktischen Sommer schockiert Wissenschaftler

In dieser MERIS-Aufnahme eines 800 km breiten Streifens vom 29. August 2006 tritt das Gebiet mit extrem geringer Meereiskonzentration klar hervor. © ESASatellitenbilder vom August 2006 ließen erstmals dramatische Aufbrüche im sonst ganzjährig geschlossenen Packeis der Arktis nördlich der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen bis hin in die russische Arktis und zum Nordpol erkennen. Anhand von Daten des ASAR-Instruments (Advanced Synthetic Aperture Radar) an Bord von Envisat konnten Wissenschaftler außerdem ermitteln, dass etwa fünf bis zehn Prozent des arktischen Packeises, das die Sommerschmelze überlebt hatte, durch spätsommerliche Stürme zerstückelt worden waren. Eine Situation dieser Art war noch bei keinem der früheren Rekordtiefstände beobachtet worden. In dieser MERIS-Aufnahme eines 800 km breiten Streifens vom 29. August 2006 tritt das Gebiet mit extrem geringer Meereiskonzentration klar hervor. © ESA

2007

Erste Treibhausgas-Animationen auf Basis von SCIAMACHY-Daten

 Mit dem von Airbus Defence and Space gebauten SCIAMACHY-Instrument (Scanning Imaging Absorption Spectrometer for Atmospheric CHartography) an Bord von Envisat erstellten Wissenschaftler im März 2007 die ersten Animationen der globalen Verteilung der wichtigsten Treibhausgase

Nach drei Beobachtungs- jahren (2003-2005) mit dem von Airbus Defence and Space gebauten SCIAMACHY-Instrument (Scanning Imaging Absorption Spectrometer for Atmospheric CHartography) an Bord von Envisat erstellten Wissenschaftler im März 2007 die ersten Animationen der globalen Verteilung der wichtigsten Treibhausgase, die zur globalen Erwärmung beitragen: Kohlendioxid und Methan. Die CO2-Animation hier veranschaulicht, wie unser Planet „atmet“: Jedes Jahr absorbiert die im Frühling und Sommer wachsende Vegetation gigantische Mengen Kohlendioxid, die während des darauf folgenden Herbstes und Winters mit dem Absterben und Verrotten der Pflanzen zu einem großen Teil wieder freigesetzt werden. Konkret ist zu sehen, wie die CO2-Werte von Jahr zu Jahr um 0,5 bis ein Prozent steigen. SCIAMACHY ist der erste Weltraumsensor, mit dem sich die wichtigsten Treibhausgase mit hoher Empfindlichkeit bis hinab zur Erdoberfläche messen lassen, da im Nadir-Betrieb das Spektrum des durch die Atmosphäre scheinenden Sonnenlichts beobachtet wird. © IUP/IFE, Universität Bremen

2008

Riss durch den Eisberg A53A im Südatlantik

 Radarbilder vom 1. März 2008, die mit dem ASAR-Instrument (Advanced Synthetic Aperture Radar) an Bord von Envisat aufgenommen Radarbilder vom 1. März 2008, die mit dem ASAR-Instrument (Advanced Synthetic Aperture Radar) an Bord von Envisat aufgenommen worden waren, zeigen einen gewaltigen, von Nord nach Süd verlaufenden Riss im Eisberg A53A östlich von Südgeorgien im Südatlantik. Zum Größenvergleich: Die Insel Südgeorgien (im Bild unten zu erkennen) ist etwa 180 km lang. ASAR kann hochwertige Bilder von Eisbergen und Eisdecken erfassen und dabei zwischen verschiedenen Eisarten unterscheiden. Das Radarinstrument durchdringt Wolken ebenso wie Dunkelheit – häufige Bedingungen in polaren Regionen. © ESA

2009

Erdbeben von L’Aquila in Italien

 Wissenschaftler analysierten SAR-Daten (Synthetic Aperture Radar) von Envisat und anderen Satelliten, um Oberflächendeformationen aufgrund des Bebens und der zahlreichen Nachbeben kartographisch abzubilden

Anfang April 2009 wurde Italien von einem der schlimmsten Erdbeben seit Jahrzehnten getroffen. Das Epizentrum lag nahe der mittelalterlichen Stadt L’Aquila in den mittelitalienischen Abruzzen. Wissenschaftler analysierten SAR-Daten (Synthetic Aperture Radar) von Envisat und anderen Satelliten, um Oberflächendeformationen aufgrund des Bebens und der zahlreichen Nachbeben kartographisch abzubilden. Die hierzu verwendete Technik wird als SAR-Interferometrie oder ‚InSAR’ (Synthetic Aperture Radar Interferometry) bezeichnet: Vor und nach dem Beben erfasste Daten werden zu Interferogrammen verschmolzen, die regenbogenfarbige Interferenzmuster zeigen. Dieses Interferogramm wurde nur wenige Stunden nach Erfassung der Daten durch Envisat am 12. April 2009 erstellt. © IREA-CNR

2010

Ölpest im Golf von Mexiko

 Auf dieser ASAR-Aufnahme, die Envisat am 2. Mai 2010 sendete, ist der Ölteppich östlich des Delta National Wildlife Refuge zu erkennen, das sich bis in den Golf von Mexiko hinein erstreckt

Am 20. April 2010 explodierte im Golf von Mexiko die Ölbohrplattform Deepwater Horizon und ging anschließend unter. Ein massiver Austritt von Öl war die Folge. Die Bemühungen zur Eingrenzung der Umweltkatastrophe stützten sich in den Wochen darauf stark auf die Satellitentechnik. Auf dieser ASAR-Aufnahme, die Envisat am 2. Mai 2010 sendete, ist der Ölteppich östlich des Delta National Wildlife Refuge zu erkennen, das sich bis in den Golf von Mexiko hinein erstreckt. Die weißen Punkte sind Bohrplattformen und Schiffe. Radar eignet sich ausgezeichnet für die Erkennung von Ölteppichen, weil es Tag und Nacht arbeitet, Wolken durchdringt und überaus sensibel für die glattere Oberfläche von Öl auf Wasser ist. © ESA

2011

Erdbeben und Tsunami in Japan

Wissenschaftler nutzten Daten das ASAR-Instruments (Advanced Synthetic Aperture Radar) von Envisat zur Abbildung der Oberflächendeformationen durch das Beben der Stärke 9Satellitenbilder trugen wesentlich zur Unterstützung der Hilfsmaßnahmen nach dem verheerenden Erdbeben bei, das Japan am 11. März 2011 traf und einen Tsunami nach sich zog. Wissenschaftler nutzten Daten das ASAR-Instruments (Advanced Synthetic Aperture Radar) von Envisat zur Abbildung der Oberflächen- deformationen durch das Beben der Stärke 9: Das Interferogramm hier beruht auf Daten vom 19. Februar und 21. März 2011 (ein Farbzyklus entspricht einer Verschiebung um etwa 35 cm am Boden). © ARIA-Projekt von JPL/Caltech auf Basis von ESA-Daten, Seismizitätskarte von US Geological Survey

 

 

2012

Schneller Rückzug eines antarktischen Eisschelfs

Das Auseinanderbrechen eines wesentlichen Teils des 200 Meter dicken Eisschelfs Larsen B an der Ostküste der Antarktischen Halbinsel

Eines der ersten Bilder, die Envisat nach seinem Start am 1. März 2002 zur Erde übertrug, zeigte das Auseinanderbrechen eines wesentlichen Teils des 200 Meter dicken Eisschelfs Larsen B an der Ostküste der Antarktischen Halbinsel. Nach zehn Jahren der Beobachtung mit dem ASAR-Instrument (Advanced Synthetic Aperture Radar) ist klar, dass Larsen B bis heute weitere 1.790 km2 seiner Fläche verloren hat. © ESA

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