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ASAR deckte mehr als 400 km ab

ASAR tastet mit Mikrowellenstrahlung die Erdoberfläche und Meere ab

Das größte (1,3 m x 10 m) der Envisat-Instrumente ist der verbesserte, synthetische Aperturradar ASAR (Advanced Synthetic Aperture Radar). Das hochauflösende, abbildende Radarinstrument mit breitem Abtaststreifen eignet sich sowohl für die ortsgerichtete Erkundung als auch für die globale Überwachung von Landflächen und Meeren.

Mikrowellenstrahlung durchdringt praktisch ungestört Wolken und arbeitet auch bei Nacht und unabhängig von Wetterbedingungen. ASAR eignet sich unter anderem für unterschiedliche maritime Anwendungen. So lassen sich seit kurzem hohe Meereswellen, die die Schifffahrt gefährden, global vermessen. Die Daten sind nahezu in Echtzeit abrufbar und ermöglichen die Vorhersage gefährlich hoher Brecher auf den Weltmeeren. Verbunden hiermit ist auch eine Vermessung des oberflächennahen Windfeldes. Es dient sowohl der Warnung von Schiffen als auch für die Wettervorhersage.

Das größte aller Envisat Instrumente ist das Advanced Synthetic Aperture Radar (ASAR)

Die vom ASAR ausgesandten Mikrowellen werden von der Oberfläche reflektiert und vom ASAR wieder empfangen. Die Radarechos enthalten deshalb viele Informationen über die Oberfläche, zum Beispiel über die Rauigkeit. Dies macht man sich zunutze, um Ölfelder auf dem Meer auszumachen. Weltweite Beachtung fand dieses Verfahren, nachdem im April 2010 die Ölbohrinsel Deep Water Horizon im Golf von Mexiko explodiert war und anschließend aus dem Leck am Meeresgrund ungehindert Öl ausfloss. Mit ASAR ließ sich Tag und Nacht und durch Wolken hindurch verfolgen, wie sich der Ölteppich ausbreitete und in welche Richtung die Strömungen ihn trieben. Diese Informationen dienten den Behörden, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen und die Bevölkerung in bedrohten Küstenstreifen zu informieren.

ASAR verfolgt die Ausbreitung von Ölfeldern auf dem Meer Tag und Nacht.

Auch in den Eismeeren findet ASAR vielfältige Anwendungen. So registriert es Packeis und schwimmende Eisberge in den Polgebieten. Diese Infos werden der Schifffahrt bereits seit einigen Jahren angeboten. Eine neue interaktive Internetseite bietet neue Möglichkeiten, die Daten in Echtzeit abzurufen. Dieses Projekt namens Polar View ist ein wichtiger Beitrag zu GMES.

Besondere Aufmerksamkeit erregten ASAR-Aufnahmen im Sommer 2010. Sie zeigten detailliert das Kalben eines riesigen Eisbergs vom Petermann-Gletscher im Nordwesten Grönlands. Über Tage und Wochen hinweg ließ sich verfolgen, wie der damals größte Eisberg der Nordhalbkugel, der etwa halb so groß wie der Bodensee war, durch das Meer trieb.

Der Petermann-Gletscher kalbte in Grönland und setzte einen gewaltigen Eisberg frei

Eine unerwartete Anwendungsmöglichkeit haben Forscher jüngst entwickelt. Nadelwälder bedecken etwa 15 Prozent der Landfläche und bilden etwa ein Drittel des weltweiten Waldvorkommens. Damit sind sie ein entscheidender Klimafaktor im globalen Kohlendioxidkreislauf.

Bislang lässt sich die gesamte Biomasse jedoch nicht genau genug angeben. Im Rahmen des Projekts BIOMASAR haben europäische Wissenschaftler eine neue Auswertemethode der ASAR-Daten entwickelt, die genau dies ermöglicht. Die zehn Jahre zurückreichenden ASAR-Daten und die geplante zukünftige Fortsetzung mit Sentinel 1 ermöglicht nicht nur eine Inventur der Wälder, sondern auch die langfristige Beobachtungen von Änderungen des Kohlenstoffspeichers in Form von Waldbiomasse.

Mehr Informationen zur Radar Interferometrie und das allererste Bild

 

Envisat Instrument: das Spektrometer SCIAMACHY Envisat Instrument: Das Spektrometer MIPAS GOMOS Envisat Instrument: Radarinstrument Advanced Synthetic Aperture Radar ASAR Envisat Instrument: Das Radiometer AATSR
      SCIAMACHY           MIPAS          GOMOS           ASAR           AATSR

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