Airbus Defence and Space

Erdbeobachtung: Programm nach Wahl!

Airbus Defence and Space Geoinformation bietet maßgeschneidertes Bildmaterial der Erde

Seit einem Vierteljahrhundert ziehen die Spot-Satelliten ihre Kreise um die Erde und sammeln optisches Bildmaterial. Im Laufe der Zeit kamen neue Satelliten mit anderen Fähigkeiten hinzu: Formosat-2, Kompsat-2, die Pléiades 1A-Satelliten und jüngst Spot 6. Entgegen einer verbreiteten Ansicht scannen sie nicht einfach nur ihr Überfluggebiet, sondern richten ihr Auge auf ihnen zugewiesene Zielgebiete. Diese werden von einem Team von Airbus Defence and Space in Toulouse exakt nach Kundenwunsch entsprechend programmiert.

Der im Jahr 2002 gestartete Beobachtungssatellit SPOT 5 liefert Daten für verschiedene Maßstäbe und Anwendungen weltweit und bietet eine ideale Kombination aus hoher Auflösung und breiter Abdeckung für ein breites AnwendungsspektrumDer im Jahr 2002 gestartete Beobachtungssatellit SPOT 5 liefert Daten für verschiedene Maßstäbe und Anwendungen weltweit und bietet eine ideale Kombination aus hoher Auflösung und breiter Abdeckung für ein breites Anwendungsspektrum.

David Mussotte, Leiter der Satelliten-Programmierung für Mittel- und Südafrika sowie Südamerika bei Airbus Defence and Space GEO-Information Services. (© Denys Letourmy)

Man nennt sie „Multisatelliten-Programmierer“, aber wer sich jetzt einen „Nerd“ vorstellt, der endlose Codes in den Computer hackt, irrt sich. Hier werden Satelliten nicht „programmiert“, sondern auf ihren Einsatz vorbereitet und der Ablauf ihres Beobachtungspensums wird festgelegt, erklärt David Mussotte, Leiter der Satelliten-Programmierung für Mittel- und Südafrika sowie Südamerika bei Airbus Defence and Space GEO-Information Services.

David Mussotte, Leiter der Satelliten-Programmierung für Mittel- und Südafrika sowie Südamerika bei Airbus Defence and Space GEO-Information Services. (© Denys Letourmy)

 

Das Team der „Multisatelliten-Programmierer“ von Airbus Defence and Space GEO-Information Services in Toulouse: hintere Reihe (v. l. n. r.): David Mussotte, Olivier Virenque, Céline Chauvin, Morgane Angeniol, Benoît Bex, Lionel Raspeau, Pascal Toustou (stellv. Abteilungsleiter), Laurent Garcia, Christophe Balitrand; vordere Reihe (v. l. n. r.): Jean-Luc Maupeu, Christine Serignac, Madeleine Legros, Jean-Bernard Maybon (Abteilungsleiter), Béatrice Pintat-Farcet, Linda Grillet, Alice Remaury; abwesend: Edouard Gillet, Brice Lamarre, Nelly Menigoz, Nathalie Sirot sowie Joy Dyer, Olivier Grosbois und Adam Ward, Mulitsatelliten-Programmierer bei der nordamerikanischen Tochtergesellschaft in Washington. (© Denys Letourmy)
Das Team der „Multisatelliten-Programmierer“ von Airbus Defence and Space GEO-Information Services in Toulouse (© Denys Letourmy)


Was macht ein Multisatelliten-Programmierer?

Neben unserem Know-how setzen wir entsprechend adaptierte Software-Schnittstellen ein, um unseren Kunden die für ihren Bedarf geeigneten Aufnahmen anbieten, die Machbarkeit der Erfassung untersuchen und die anschließend an die Satelliten übermittelten Befehle definieren zu können.

Der Beruf erfordert technisches Fachwissen und ein Händchen im Umgang mit Menschen, um die Sonderwünsche unserer Kunden genau zu erfassen.


Das Satellitenprogrammierungsteam von Airbus Defence and Space North American -eine Tochtergeseelschaft, die in Washington beheimatet ist. Von links nach rechts:Adam Ward, Delwin Leung, Olivier Grosbois (Supervisor), Joy Dyer, Sara Schwarz. (© Jessi Dick)


Das Satellitenprogrammierungsteam von Airbus Defence and Space North American - eine Tochtergesellschaft, die in Washington beheimatet ist. (© Jessi Dick)

In der Praxis sieht es so aus: Wenn uns ein Kunde seine Anforderungen schickt, prüfen wir die Programmierparameter (Servicelevel, Aufnahmemodus, -winkel sowie -zeitpunkt usw.) und wir ermitteln die zur Verfügung stehenden Satelliten, um für die Kunden maßgeschneiderte Bilddaten zu generieren. Die Programmierung von Bilddatenerfassung kann für einen bestimmten Tag erfolgen (das gilt für sehr eilige Anfragen), aber auch über längere Zeiträume laufen (für z.B. nationale Bilddatenerfassung), oder wiederholt in bestimmten Zeitintervallen ablaufen, als Teil einer permanenten Standortberwachung (z.B. Aufnahmen von Weinanbaugebieten für das Oenoview Programm).

Sobald die Machbarkeit der Programmierung bestätigt und das Angebot vom Kunden akzeptiert wurde, aktivieren wir die Bestellung in unserer Datenbank. Anschließend werden sämtliche Kundenbestellungen von einem Superrechner kompiliert. Diese Programmierzentrale generiert die Aufträge für den Satelliten unter Berücksichtigung der Wettervorhersage sowie aller Parameter der laufenden Bestellungen, die nicht unbedingt miteinander kompatibel sind. So legen wir jeden Tag gegen Mittag das Arbeitsprogramm der Satelliten für den nächsten Tag fest.

Apropos: für die Satelliten Pléiades 1A & 1B sind drei Programmierungen pro Tag geplant, um den Kundenservice zu verbessern, sechs für sind für Spot 6 & 7 vorgesehen. Das Team von Airbus Defence and Space GEO wird in den nächsten Jahren beschäftigter denn je sein.

Links: Satellitenbild von Fukushima Daiichi nach dem Erdbeben und dem Tsunami in Japan, aufgenommen von SPOT 5 am 18. März 2011 (© CNES 2011 – Distribution Airbus Defence and Space/Spot Image); rechts: Satellitenbild des Atomkraftwerks Fukushima, aufgenommen von den Pléiades-Satelliten ein Jahr nach der Katastrophe (© Distribution Airbus Defence and Space/Spot Image)Links: Satellitenbild von Fukushima Daiichi nach dem Erdbeben und dem Tsunami in Japan, aufgenommen von SPOT 5 am 18. März 2011 (© CNES 2011 – Distribution Airbus Defence and Space/Spot Image); rechts: Satellitenbild des Atomkraftwerks Fukushima, aufgenommen von den Pléiades-Satelliten ein Jahr nach der Katastrophe (© Distribution Airbus Defence and Space/Spot Image)

Wenn die Aufnahmen erfasst und in unserem Katalog archiviert sind, prüfen wir bestimmte Parameter wie Radiometrie, Wolkenbedeckung oder Spekularität (Glanzlichter durch Bodenspiegelungen). Nach Freigabe der Bilder erfolgt die Ausgabe an den Kunden. Sollte es nicht gelungen sein, das gesamte gewünschte Gebiet in der vorgegebenen Frist abzudecken – meist wegen der Bewölkung –, besprechen wir mit dem Kunden, wie wir mit seiner Programmplanung fortfahren.

Wer sind Ihre Ansprechpartner?

Wir verfügen über ein sehr breites Kundenspektrum mit sehr unterschiedlichen Anforderungen. Der Datenbedarf wissenschaftlicher Institutionen, Ministerien, Raumfahrtagenturen, aber auch von Privatunternehmen, Landwirten oder Kartographen kann sich auf ein ganzes Land oder auch nur auf eine einzelne Parzelle, zum Beispiel zur Überwachung der Infrastruktur oder als Hilfe beim Krisenmanagement, beziehen.

Weltweite Verteilung der Spot-Empfangsstationen im March 2012, inzwischen ergänzt durch die argentinische Station Conae. (© Airbus Defence and Space GEO-Information Services)

Weltweite Verteilung der Spot-Empfangsstationen im March 2012, inzwischen ergänzt durch die argentinische Station Conae. (© Airbus Defence and Space GEO-Information Services)

Wir stehen in direktem Kontakt zu unseren Kunden, wobei unsere SPOT-Empfangsstationen, unsere Partner und unsere Büros in vielen verschiedenen Ländern ein wichtiges Kontaktnetz darstellen.

Links: Empfangsantenne der CSIR/SANSA (Council for Scientific and Industrial Research) in Südafrika. Rechts: die SUPARCO (Space and Upper Atmosphere Research Commission) in Pakistan. (© D. Mussotte)

Links: Empfangsantenne der CSIR/SANSA (Council for Scientific and Industrial Research) in Südafrika. Rechts: die SUPARCO (Space and Upper Atmosphere Research Commission) in Pakistan. (© D. Mussotte)

Wir verwalten die derzeit circa 200 Anfragen für unser Gebiet zu zweit. Manchmal muss man ein wenig jonglieren und eine Bilderfassung verschieben, um eine andere vorzuziehen, und so die Satelliten optimal zu nutzen und die Kundenwünsche zu erfüllen.

Wie wird man Multisatelliten-Programmierer? Gibt es einen typischen Werdegang?

Nein, denn der Beruf an sich ist untypisch. Ich bin Geograph und habe ein Hochschuldiplom in der Fachrichtung Bildverarbeitung. Ich habe vorher mit GIS (Geoinformationssystemen) für den Umweltschutz gearbeitet. Neben den mehrheitlich vertretenen Geographen befinden sich jedoch auch ein Biologe, ein Informatiker, ein Klimatologe, ein Geologe und ein Agrarexperte in unserem Team. Auffallend ist jedoch, dass die meisten von uns – mit Ausnahme der Hochschulabsolventen, die ihre Laufbahn bei uns beginnen – ehemalige Nutzer von Satellitenbildern sind. Das hilft uns, den Bedarf unserer Endkunden besser zu verstehen.

Um die Anfragen richtig disponieren und konfigurieren zu können, muss man viel mit den Kunden diskutieren und die einzelnen Schritte der Bilderfassungsprozesse sowie der Datennutzung genau kennen. Man muss die Erwartungen verstehen und absehbaren Enttäuschungen vorbeugen. Dazu sind Menschenkenntnis, soziale und kulturelle Kompetenzen gefragt: Der Aufbau guter Beziehungen ist in diesem Beruf sehr wichtig. Wir managen komplexe Großprogramme, die sich in viele Bereiche verzweigen.

Wie reagieren Sie auf dringende Anfragen, wie im Krisenfall?

Wir haben an den Wochenenden wechselnden Bereitschaftsdienst, um dringende Anfragen zu erfassen, zu prüfen, die in Frage kommenden Satelliten auszuwählen, die betreffenden Akteure zu informieren, die Systemfreigabe zu erwirken und das Arbeitsprogramm zu erstellen.

Bilder der Überschwemmungen am Oberlauf des Indus im pakistanischen Distrikt Sukkur, aufgenommen von SPOT 4 zwischen dem 20. Juni und 27. August 2010.

Bilder der Überschwemmungen am Oberlauf des Indus im pakistanischen Distrikt Sukkur, aufgenommen von SPOT 4 zwischen dem 20. Juni und 27. August 2010.

Im Krisenfall, besonders bei Aktivierung der Charter für Weltraum und Naturkatastrophen (Anfragen über beteiligte Raumfahrtagenturen) oder der GMES-Dienste (über die ESA), kann es hoch hergehen und die Festlegung der Prioritäten heikel werden. Bei den Überschwemmungen in Pakistan im Jahr 2010 stand ich vor einer schwierigen Aufgabe. Ich musste die Reihenfolge der Erfassung zwischen den europäischen Hilfsorganisationen und den pakistanischen Streitkräften über die Station in Islamabad aufteilen. Alle Anforderungen wären ähnlich, aber eben nicht identisch, und alle waren berechtigt. Da ist Flexibilität gefragt. Aber wir sind hoch motiviert, denn schließlich tragen wir dazu bei, Leben zu retten.

Das Gleiche gilt für den Tsunami in Japan. In dieser schwierigen Krisensituation waren wir mit Haut und Haar eingebunden, da hat keiner auf die Uhr geschaut.

Um welche Satelliten geht es?

Dank der täglichen Aufnahmen jedes Erdwinkels bietet Airbus Defence and Space einen konkurrenzlosen Zugang zum bislang breitesten Spektrum an gewerblichen Erdbeobachtungsdaten.

Dank der täglichen Aufnahmen jedes Erdwinkels bietet Airbus Defence and Space einen konkurrenzlosen Zugang zum bislang breitesten Spektrum an gewerblichen Erdbeobachtungsdaten.

Heute programmiert das Team von Airbus Defence and Space GEO-Information Services die Satelliten SPOT 4 und 5 sowie Pléiades 1A, wenn es um Bildmaterial für gewerbliche Zwecke geht. Neben diesen französischen Satelliten, zu denen SPOT 6 (Astroterra-Programm) und in einigen Monaten Pléiades 1B zählt, betreut das Team auch Anfragen für den Partnersatelliten Formosat-2 (Taiwan), die an die nationale Raumfahrtagentur NSPO (Taiwan) weitergeleitet wird. Bei Anfragen bezüglich Radarbildern der Satelliten TerraSAR-X und TanDEM-X sind die Teams von Airbus Defence and Space in Deutschland für die Programmierung zuständig.

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