Airbus Defence and Space

Satelliten im grünen Einsatz für REDD

Mit Weltraumtechnik gegen Entwaldung

 Im Regenwald

Wenn wir unser Ziel erreichen und einen Anstieg des Erdklimas um über 2°C verhindern wollen, der von Wissenschaftlern übereinstimmend als Grenzwert für ein „potenziell gefährliches Klima“ erachtet wird, dann ist der von der Internationalen Energiebehörde (IEA) im November veröffentlichte Bericht keine angenehme Lektüre. Dieser besagt, dass die Treibhausgasemissionen in die Atmosphäre dramatisch gestiegen sind und die Zeit knapp wird, um das Klima unseres Planeten noch schützen zu können.

Eine Erderwärmung um mehr als diese so genannten „sicheren“ 2°C würde den Meeresspiegel steigen und die Wetterlage außer Kontrolle geraten lassen sowie Überschwemmungen, Epidemien, Völkerwanderungen und Nahrungsmittelknappheit infolge der Auswirkungen auf Ackerbau und Viehzucht und Epidemien verursachen, um nur einige der möglichen Folgen zu nennen.

Umso dringlicher ist die Notwendigkeit, die Waldflächen der Erde zu schützen. Intakte Wälder sind zentraler Bestandteil des natürlichen Ökosystems, da sie den hydrologischen Zyklus regulieren, Bodenerosion verhindern, die Luft reinigen und Lebensraum unzähliger Säugetiere, Vögel und Insekten sind. Und sie schützen das Klima, indem sie Kohlenstoffdioxid aufnehmen und speichern. Wird die Entwaldung im gegenwärtig beängstigenden Tempo vorangetrieben, wird diese Zerstörung dazu führen, dass der gesamte in Wäldern gespeicherte Kohlenstoff freigesetzt wird und das Problem der globalen Erwärmung eine neue, gigantische Dimension annimmt.

Airbus Defence and Space Satellitenbilder helfen beim Schutz der Regenwälder. © CNES/Distribution Airbus Defence and Space-Spot Image

Airbus Defence and Space Satellitenbilder helfen beim Schutz der Regenwälder. © CNES/Distribution Airbus Defence and Space-Spot Image

REDD (Reducing Emissions from Deforestation and forest Degradation) ist der Name des UN-Programms, das Wäldern in ihrer Funktion als Kohlenstoffspeicher einen finanziellen Wert beimessen will. Darüber hinaus bietet es Anreize für Schwellenländer, Emissionen aus forstwirtschaftlichen Nutzflächen zu reduzieren und im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung in die CO2-Reduzierung zu investieren. Satellitenbilder und Geoinformationen sind unerlässliche Hilfsmittel für die Erstellung aktuellen Kartenmaterials und für exakte, unwiderlegbare Messungen, mit deren Hilfe Veränderungen der Waldflächen überwacht, die Effektivität der REDD-Programme bewertet und aussagekräftige CO2-Profile erstellt werden. Airbus Defence and Spaces Unternehmensbereich GEO-Information ist führend in Konzeption und Umsetzung von Diensten für rasche Abwehrmaßnahmen sowie von Prozessen und Systemen, die auf die spezifischen Gegebenheiten verschiedener Gebiete weltweit zugeschnitten sind.

Amazonas: Überwachung für unmittelbare Abwehrmaßnahmen

Der Regenwald im Amazonasgebiet ist die größte noch verbliebene Regenwaldfläche der Welt. 60 Prozent des 7,8 Millionen Quadratkilometer großen Gebiets befinden sich auf brasilianischem Boden. Fast die Hälfte aller bekannten Spezies lebt im Amazonasgebiet, das rund 20% der weltweiten Frischwasservorräte speichert. 50% der weltweit abgeholzten Flächen befinden sich in diesem Gebiet, und bis zu 80% der Abholzungen im brasilianischen Amazonasgebiet sind gesetzeswidrig.

Airbus Defence and Space GEO-Information arbeitet bereits einige Jahre mit dem brasilianischen regierungsunabhängigen Forschungsinstitut IMAZON in den beiden empfindlichsten Regionen des Landes zusammen, den Bundesstaaten Mato Grosso und Acre.

In Mato Grosso wollte man sich einen Eindruck über die historische Entwicklung von Veränderungen und der Entwaldung des Regenwaldes verschaffen, um die Tendenzen der Treibhausgasemissionen einschätzen zu können. Dies wird als „Referenzsituation“ oder Ausgangsbasis bezeichnet, deren Festlegung für bestimmte Regionen oder Länder zu den wichtigsten Elementen der REDD-Rahmenbedingungen gehört. Airbus Defence and Spaces Lösung bestand in der Entwicklung einer einzigartigen Bildbearbeitungssoftware und –methode, mit der enorme Mengen archivierter Landsat-Satellitenbilder des 600.000 Quadratkilometer großen Regenwalds in Mato Grosso aus den 1980er Jahren erfasst und überarbeitet wurden. Experten konnten diese Referenz-Informationsdatenbank dann nutzen, um für die letzten 25 Jahre eine quantitative Analyse der Kohlenstoffemissionen in diesem Gebiet durchzuführen. Die Effizienz dieser Methode ist beeindruckend: In weniger als zwei Monaten wurden 650 Landsat-Aufnahmen bearbeitet und analysiert und damit der Nachweis erbracht, dass dieses System rasch für die Erfüllung dauerhafter Standards eingesetzt werden kann, um den jeweils aktuellen Status und die Tendenzen der Entwaldung zu überwachen. Dieses neue Instrument von Airbus Defence and Space und IMAZON wurde 2009 bei der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen vorgestellt und fand die Zustimmung der internationalen Forschungsgemeinde.

In Acre lag das Problem in der zu großen zeitlichen Verzögerung von mehreren Monaten zwischen der Erfassung von Luftaufnahmen der Region und der Lieferung der daraus erstellten Entwaldungskarten und –statistiken. So konnten die Behörden vor Ort nicht wirksam und rechtzeitig illegalen Abhieb bekämpfen.

Auf Aufforderung von IMAZON griff Airbus Defence and Space GEO-Information in das Geschehen ein. Zunächst wurde der von Airbus Defence and Space gebaute Satellit FORMOSAT-2 programmiert, um zu bestimmten Zeiten Aufnahmen gewünschter Gebiete zu machen. Mit einem speziellen Web-Interface, MyFORMOSAT-2, wurde ein täglicher Überflugzyklus des Satelliten festgelegt, dann zur Echtzeitüberwachung des Gebiets hochauflösende Bilder durch FORMOSAT-2 erfasst. Zwischen Mitte August und Ende Oktober 2007 wurden insgesamt 1.160 Aufnahmen erfasst, orthorektifiziert und in ein grafisches Informationssystem (GIS) importiert. Vorhandene Entwaldungskarten, die IMAZON zwischen 2005 und 2006 erstellt hatte, wurden über die Aufnahmen gelegt, um die entwaldeten Parzellen hervorzuheben und in digitaler Form darzustellen. Mit FORMOSAT-2 konnten die abgeholzten Parzellen sofort mit dem Erfassen der Aufnahmen ermittelt werden.

Mit diesem maßgeschneiderten Instrument kann IMAZON in nur wenigen Tagen aktuelles Kartenmaterial erstellen und Acres Umweltschutzbehörde und anderen regierungsunabhängigen Organisationen für eine bessere Einsatzplanung an die Hand geben. Carlos Souza, Direktor von IMAZON, ist begeistert: „Mit MyFORMOSAT-2 hat sich unsere Arbeit völlig verändert. Früher dauerte die Kartierung mehrere Monate, sodass wir nur die Zerstörung des Waldgebiets melden konnten. Heute können wir Informationen sehr schnell bereitstellen, und die brasilianischen Behörden können die Holzfäller auf frischer Tat ertappen!“

Kongobecken: Aufforsten, Abholzen

Der Airbus Defence and Space-Geschäftsbereich Geo-Informationen und die AFD (Agence Française de Développement) haben ein Portal für die satellitengestützte Beobachtung der Wälder im Kongobecken gründet. Organisationen zum Schutz dieser Wälder stehen dort nun über 600 von SPOT-Satelliten erfasste Bilder zur direkten Verfügung. © CNES/Distribution Airbus Defence and Space-Spot Image

Der Airbus Defence and Space-Geschäftsbereich Geo-Informationen und die AFD (Agence Française de Développement) haben ein Portal für die satellitengestützte Beobachtung der Wälder im Kongobecken gründet. Organisationen zum Schutz dieser Wälder stehen dort nun über 600 von SPOT-Satelliten erfasste Bilder zur direkten Verfügung. © CNES/Distribution Airbus Defence and Space-Spot Image

Portal für Satellitenbilder des KongobeckensEbenfalls während der UN-Klimakonferenz im Jahr 2009 versprach Airbus Defence and Space, zusammen mit der französischen Agentur für Entwicklung (AFD) Fachwissen und Technologien zur Unterstützung der Maßnahmen gegen die Entwaldung im zweitgrößten Äquatorialwald, dem Kongobecken, bereitzustellen. Das Kongobecken ist Heimat wild lebender Waldelefanten und Menschenaffen und Schauplatz ungezügelten Holzeinschlags. Aus dieser Zusammenarbeit entstand das weltweit erste Portal für Satellitenbildern des Kongobeckens, mit denen die zuständigen Behörden gegen Abholzungen vorgehen können. Die ersten 600 Satellitenbilder der Region, die von Airbus Defence and Spaces leistungsstarken, sehr produktiven Spot-Satelliten aufgenommen wurden, können nun direkt eingesehen werden (http://bassinducongo.reddspot.org).

Der Vergleich von Archivbildern mit neuen Aufnahmen ermöglicht nun, die Veränderungen der bewaldeten Flächen des Kongobeckens nachzuvollziehen. Regierungen, öffentliche Institute und regierungsunabhängige Organisationen, die an einem Regelwerk für eine nachhaltige Forstwirtschaft in der Region arbeiten, werden diese Aufnahmen und die damit verbundenen Mehrwert-Dienste für eine effektivere Überwachung der Landnutzung einsetzen – ein entscheidender Faktor für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Waldgebiete Zentralafrikas. Besonders wichtig sind diese Daten auch als Messlatte für die Effektivität nationaler Strategien und für die Festlegung von Aktionsplänen im Zuge des Programms REDD+.

Die Spot-Satellitenbilder des Kongobeckens stehen nun allen Organisationen zur Verfügung, die an Projekten zum Schutz der Wälder arbeiten und sich speziell auf die Reduzierung der durch Entwaldung oder Waldschädigung hervorgerufenen Emissionen, auf den Schutz oder die Steigerung des in Waldgebieten gespeicherten Kohlenstoffs, oder die Förderung einer nachhaltigen Forstpolitik konzentrieren.

 

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