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Herschel: Das Observatorium im Weltraum

In knapp 1,5 Millionen Kilometern Entfernung von der Erde schwebt mit dem Herschel Space Observatory der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) das größte je im All platzierte Weltraumteleskop. Ein Teleskopspiegel mit einem Durchmesser von 3,5 Metern versetzt Herschel in die Lage, Licht im gesamten fernen Infrarot- und Submillimeterwellen-Spektrum einzufangen. Astronomen können damit Sterne und Galaxien in großer Entfernung beobachten, die für Teleskope auf der Erde schlicht unsichtbar sind.

Zahlen & Fakten

Höhe: 7,5 Meter

Durchmesser: 4 Meter

Masse: 3.300 Kilogramm

Orbit: Um den Lagrange-Punkt L2, 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt.

 

Die Herschel-Mission

Die Milchstraße ist durchzogen von gewaltigen Staub- und Gaswolken. Unter ganz bestimmten Bedingungen können einige dieser Wolken so weit in sich zusammenfallen, bis schließlich neue Sterne aus ihnen hervorgehen. Auch unsere Sonne ist auf diese Weise entstanden. Leider ist es für Astronomen außerordentlich schwierig, diese jungen Sterne durch die sie umgebenden Wolken hindurch zu erkennen. Wirklich sichtbar werden sie erst, wenn sich der Staub verzogen hat. Das Weltraumteleskop Herschel erfasst dagegen das Infrarot-Licht der Sterne, welches, anders als sichtbares Licht, die Staubwolken durchdringt. So können die Astronomen ins Innere der Wolken blicken und die eigentliche Geburt der Sterne beobachten – eine Fähigkeit, die ihnen bislang fehlte.

Ebenso wird das Herschel-Teleskop die Entstehung und Entwicklung Milliarden Lichtjahre entfernter Galaxien untersuchen, indem es die von den heißen neugeborenen Sternen dieser Galaxien ausgesandte Infrarot-Strahlung erfasst. Auch dieses Licht konnten Astronomen zuvor nicht messen, da es von der Erdatmosphäre absorbiert wird.

 

Der Namensgeber

Friedrich Wilhelm Herschel (später geadelt als Sir William Herschel), geboren 1738 in Hannover, war einer der erfindungs- und erfolgreichsten Astronomen aller Zeiten. 1757 emigrierte er nach England, wo er zunächst als Musiklehrer, Instrumentalist und Komponist arbeitete. 1766 zog er ins südwestenglische Bath, wo er bald darauf eine Stelle als Organist antrat. Dort entwickelte er erstmals Interesse an der Astronomie, begann zu experimentieren und baute seine eigenen Spiegel und Teleskope. 1781 entdeckte er, unterstützt von seiner Schwester Caroline, mit einem selbstgebauten Teleskop den Uranus – den ersten Planeten, der seit vorgeschichtlicher Zeit neu entdeckt wurde. Das machte ihn über Nacht berühmt, und der König von England gewährte ihm eine Leibrente, dank derer er den Rest seines Lebens ganz der Astronomie widmen konnte.

 

Im Jahr 1800 wandte sich Herschel der Erforschung des Lichts zu und machte durch ein einfaches Experiment eine Entdeckung, die den Namen des europäischen Weltraumteleskops erklärt: Mit einem Prisma spaltete er das Sonnenlicht in die Spektralfarben auf, bestimmte mit einem Thermometer die Temperatur der einzelnen Farbbereiche und stellte fest: Am heißesten wird es gleich hinter dem roten Ende des Spektrums. Dieses „unsichtbare“ Licht, das Herschel „Wärmestrahlen“ taufte und das uns heute als Infrarot-Strahlung bekannt ist, wird der von Airbus Defence and Space bereitgestellte Spiegel einfangen, um spektakuläre Bilder des erdfernen Weltraums zu erzeugen.

 

Als Wilhelm Herschel 1822 verstarb, hinterließ er der Menschheit eine Reihe von Erkenntnissen, die ihr Verständnis des Weltraums revolutionierten. Neben der Entdeckung des Uranus gelang ihm der Nachweis, dass es sich bei den „Nebelflecken“ am Sternenhimmel um Anhäufungen von Einzelsternen handelte; damals herrschte nämlich die Ansicht vor, ihre milchige Erscheinung sei einer geheimnisvollen kosmischen Flüssigkeit zuzuschreiben. Darüber hinaus beobachtete er 2.500 Nebel und Sternhaufen, die zwei Uranus-Monde Titania und Oberon sowie zwei Saturnmonde, Mimas und Enceladus, wobei er letztere durch das damals größte und stärkste Teleskop der Welt erblickte. Dieses war von Herschel mit Hilfe einer Spende des englischen Königs Georg III. in Höhe von 4.000 Pfund eigenhändig hergestellt worden und erreichte mit seinem 122-Zentimeter-Spiegel eine Brennweite von 12 Metern.

 

 

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