Airbus Defence and Space

Kein Stau auf der Datenautobahn

EDRS, eine neue Dimension für die Erdbeobachtung<br>Bei Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Erdbeben wird EDRS wesentlich schneller Bildmaterial der Schäden liefern können und damit einen echten Unterschied ausmachen.

Das Satellitennetzwerk European Data Relay System (EDRS), das erstmalig eine nahezu nahtlose Kommunikation zwischen Erdbeobachtungssatelliten und Bodenstationen ermöglicht, erfordert sowohl bei Airbus Defence and Space als auch innerhalb der europäischen Raumfahrtindustrie neue Ansätze: Bei der Konzeption eines derart komplexen Systems, bei der Entwicklung innovativer technischer Ausrüstung und bei der Schaffung eines dichten Netzwerks von Partnern. Anfang Oktober ist der Vertrag mit der European Space Agency (ESA) abgeschlossen worden. forum beschreibt, wie das Projekt auf den Weg gebracht wurde.

Wir finden heute eine Situation vor, die man als „Engpass“ im Weltraum bezeichnen könnte“, erklärt Akos Hegyi, EDRS Service Development Manager bei Airbus Defence and Space. „Der Datenfluss von einer zunehmenden Zahl immer leistungsfähigerer Erdbeobachtungssatelliten nimmt ständig zu. Doch derzeit kann mit diesen Satelliten nur innerhalb eines kleinen Zeitfensters, in dem sie eine Bodenstation überfliegen, kommuniziert werden. Eine Überwachung in Echtzeit ist einfach nicht möglich.“

Bei EDRS werden die gesammelten Daten hingegen nicht direkt an die Bodenstationen, sondern über einen von zwei geostationären Satelliten gefunkt, die sich in 36.000 Kilometer Höhe befinden und Daten mit sehr hoher Geschwindigkeit übertragen. Daher kann das Personal den Erdbeobachtungssatelliten schnell Überwachungs- und Kartierungsaufgaben zuweisen. Und Benutzer können die gewonnenen Daten ebenso schnell herunterladen.

Die Europäische Kommission ist der Hauptkunde dieses Relay-Service. EDRS soll 50 Prozent der von den GMES Sentinel-Satelliten (Global Monitoring for Environment and Security) über Europa gesammelten Daten übertragen. Die Daten werden von Mitgliedstaaten, regionalen und lokalen Behörden sowie von gewerblichen und privaten Einrichtungen in verschiedenen Bereichen wie Schifffahrt, Landwirtschaft, Infrastruktur, öffentliches Versorgungswesen, medizinische Notfallversorgung und Sicherheit genutzt.

Zusätzliche Systemkapazität stellt Airbus Defence and Space bei Bedarf Dritten zur Verfügung. Dazu zählen zum Beispiel kommerzielle Satellitenbetreiber, Unternehmen im Bereich Sicherheit und Verteidigung sowie nationale oder internationale Raumfahrtgesellschaften, die in einer erdnahen Umlaufbahn Satelliten für Erdbeobachtung, meteorologische Untersuchungen oder zu Forschungs- und Entwicklungszwecken einsetzen, wie etwa das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Eumetsat, die NASA und die National Oceanic and Atmospheric Administration in den USA. Die äußerst hohen Datenraten sind auch für die Nutzer von HALE-UAVs (High Altitude Long Endurance; in großer Höhe eingesetzte unbemannte Luftfahrzeuge) von Interesse.

Bei Airbus Defence and Space hat man sich bereits an die Arbeit gemacht, um das ehrgeizige Datum für den Start des ersten EDRS-Satelliten und die für das Jahr 2014 geplante Indienststellung einhalten zu können. Eine der größten technologischen Herausforderungen werden dabei die sogenannten Laser Communication Terminals (LCTs) darstellen, über die die geostationären Satelliten und Erdbeobachtungssatelliten miteinander kommunizieren sollen und die sich noch in der Entwicklung befinden. „Erdbeobachtungs- und EDRS-Satelliten befinden sich in Umlaufbahnen, die bis zu 40.000 Kilometer voneinander entfernt sind, wobei erstere die Erde mit einer Geschwindigkeit von 28.000 km/h umkreisen. Daher wird die Schaffung einer Kommunikationsverbindung eine große technische Herausforderung“, so Hegyi.

45.000 Seiten pro Sekunde

Darüber hinaus funkt das System pro Sekunde eine Datenmenge von bis zu 1,8 Gigabit zur Erde – dies entspricht 45.000 DIN A4-Seiten. EDRS wird auch einen Relay-Service im Ka-Band bieten, der für alle Arten von Erdbeobachtungssatelliten und UAVs geeignet ist.

Obwohl technologische Neuerungen enthalten sein werden, besitzt Airbus Defence and Space bereits das erforderliche Wissen für das gesamte System. „Wir wurden von der ESA ausgewählt, weil wir der weltweit führende Anbieter für satellitenbasierte Telekommunikationsdienste und Erdbeobachtungsdienste für institutionelle Kunden sind“, fasst er zusammen.

„Was die Zusammenarbeit in der Raumfahrtindustrie angeht, ist EDRS ein herausragendes Beispiel. Das Satellitennetzwerk wird nicht nur im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft mit der ESA betrieben, sondern es bezieht auch alle Divisionen von Airbus Defence and Space ein. Airbus Defence and Space wird sich federführend um das Programm kümmern, während Airbus Defence and Space den ersten EDRS-Satelliten auf Basis der E3000-Plattform herstellen wird. Airbus Defence and Space schließlich übernimmt die Herstellung der Antriebskomponenten für den zweiten Satelliten. Das Unternehmen beauftragt auch die deutsche Firma OHB-System mit der Herstellung des zweiten Satelliten (geplanter Start im Jahr 2015), während die EDRS-Systeme beider Satelliten von TESAT, einer 100-prozentigen Tochter von Airbus Defence and Space, produziert werden, die zusammen mit der DLR auch die LCTs entwickelt. „Die Ausgangslage mit verschiedenen Geschäftspartnern, Servicekunden, Behörden und Institutionen war komplex, doch wir haben alle Partner an einen Tisch gebracht“, erinnert sich Hegyi zufrieden.

Das Großprojekt erfordert die tägliche Kooperation von Kollegen aus dem ganzen Unternehmen: „Ich freue mich, dass ich mit Menschen zusammenarbeiten darf, die das komplexe, transversale, internationale und stark politisch beeinflusste Umfeld der EDRS-Projekte begreifen und die immer nach geeigneten Lösungen suchen. Sie sind bereit, voneinander zu lernen, und ich bin sicher, dass sich der Lernprozess über das gesamte Programm hinweg fortsetzen wird. Alle wissen nämlich, dass jederzeit noch größere Herausforderungen auftauchen können, die es dann zu meistern gilt.“


Joanne Foster, forum, AIRBUS Group internal magazine

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