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Rosetta: Hinter dem Mars geht´s weiter!

Die Raumsonde Rosetta der Europäischen Weltraumagentur ESA ist schon seit 2004 im Sonnensystem unterwegs; doch ihr Ziel ist immer noch weit entfernt. Erst 2014 wird sie den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko erreichen, um als erste Sonde einen Kometen aus der Nähe untersuchen zu können. Auf der Reise dorthin, untersucht Rosetta einige Asteroiden, die ihr entlang ihres rund sieben Milliarden Kilometer langen Weges begegnen.

Im Jahr 2008 war das der Asteroid Steins und im Juli diesen Jahres stand die Begegnung mit dem Asteroiden Lutetia auf dem Programm. Da Asteroiden jedoch im Weltall eher in den seltensten Fällen so dicht gepackt sind wie in Star Wars Filmen, müssen solche Vorbeiflüge auf die Minute genau geplant werden. Dies ginge nicht ohne die zuverlässigen Triebwerke aus Lampoldshausen, die auch in eisiger Kälte bei -130°C einwandfrei funktionieren und die Sonde, die bei Airbus Defence and Space in Friedrichshafen entwickelt und gebaut wurde, auf Kurs zu halten.

Rosetta: Zwölf Kubikmeter Hightech

Künstlerische Darstellung des Vorbeifluges von Rosetta am 10. Juli 2010.  © ESA24 kleine 10N Triebwerke dienen zum Beschleunigen und Abbremsen sowie zur Stabilisierung von Rosettas Lage im Raum. Sie erzeugen jeweils 10 Newton (10N) Schub. Das entspricht der Kraft, die hier auf der Erde benötigt wird, um eine Tasche mit zehn Äpfeln zu halten. Insgesamt führte Rosetta beim Start in ihren zwei Tanks 1.650 Kilogramm Treibstoff mit sich – immerhin über die Hälfte des Startgewichts - um die Triebwerke auf der weiten Reise durch das All mit ausreichend Sprit versorgen zu können.

Die 10N Triebwerke werden in Lampoldshausen seit über 20 Jahren jeweils in Kleinserien gebaut und sind nicht nur bei zahlreichen Kommunikationssatelliten, sondern auch bereits mehrfach bei interplanetaren Missionen - wie Mars Express und Venus Express – und Galileo erfolgreich eingesetzt worden. Obwohl schon mehr als 2.000 dieser Kleintriebwerke am Standort Lampoldshausen gebaut wurden, ist es immer noch eine fertigungstechnische Herausforderung; doch das hoch motivierte Fertigungsteam aus der Gruppe von Joachim Barthelmä schafft es stets hochpräzise, zuverlässige Triebwerke zu bauen.

Ein 10N Triebwerk aus Lampoldshausen. © Airbus Defence and SpaceAlle Flugtriebwerke bekommen nach der Fertigstellung einen sogenannten `Acceptance-Heißlauf´ unter Hochvakuumbedingungen auf den Prüfständen vor Ort, denn es ist enorm wichtig die Funktionalität der Triebwerke exakt zu prüfen, bevor diese in das Fluggerät integriert werden. Die Anforderungen an diese Kleintriebwerke sind extrem: einerseits werden sie für sehr kleine Pulse mit wenigen Millisekunden Öffnungszeiten, anderseits auch im Dauerbetrieb über mehrere Stunden eingesetzt. Alles das hat seinen Preis und auch wenn das Gewicht eines solchen Triebwerks nur 500 g beträgt, so liegt der Preis doch in der Größenordnung eines leistungsstarken Sportwagens. Der feine Unterschied ist: mit dem Sportwagen kann man jederzeit in die Werkstatt, die Rosetta-Triebwerke müssen die Reise ohne Wartung und Reparatur überstehen.

Rendezvous im Weltraum

Die Sonde flitzte am 10. Juli, um 15:44:57 Uhr koordinierter Weltzeit, mit sagenhaften 15 Kilometer pro Sekunde in einem Abstand von 3.160 Kilometern an Lutetia vorbei. Da zudem die Kameras etwas zu sehen bekommen sollten, musste die Sonde dementsprechend gedreht werden. Die Kleinst-Triebwerke aus Lampoldshausen verrichteten ihre Arbeit in der gewohnten Qualität und das gesamte Manöver verlief wie am Schnürchen.

Rosetta: Spezialist für Massebestimmung im Vorbeiflug

Die Wissenschaftler werden dank der Kameras an Bord der Sonde mit zuverlässigen Werten über die Form und damit das Volumen des Asteroiden versorgt. Masse und Volumen wiederum erlauben es die mittlere Dichte zu bestimmen und so zwischen einem C-Typ aus porösem Gestein oder einem M-Typ aus massivem Gestein mit Metallanteil zu unterscheiden. Aktuell werden die Daten noch heruntergeladen und ausgewertet, was erfahrungsgemäß ein paar Wochen dauern kann. Wir dürfen also auf die finale Auswertung der Daten gespannt sein…. und wünschen Rosetta weiterhin gute Reise.

Rosetta