Airbus Defence and Space

Rosetta unterwegs zu "kosmischer Gefriertruhe"

* EADS-Airbus Defence and Space-Sonde hat fünf Milliarden Kilometer lange Reise angetreten * Wissenschaftler wollen Lander Philae 2014 auf "Churyumov-Gerasimenko" landen * Ariane-Oberstufe EPS erreicht erstmals Fluchtgeschwindigkeit

Die Oberstufe EPS beschleunigte erstmals - nach einem 105-minütigen antriebslosen ballistischen Flug - eine Sonde auf 40.000 Stundenkilometer Fluchtgeschwindigkeit. Erst mit dieser Geschwindigkeit ist ein Verlassen des Erdorbits möglich.

Rund zehn Jahre wird die Sonde der Europäischen Weltraumorganisation ESA jetzt unterwegs sein, bis sie ihr Ziel erreicht. Die weite Reise führt auf einem Schlingerkurs durch unser Sonnensystem. Insgesamt viermal wird Rosetta durch so genannte Swing-by-Manöver in den Schwerefeldern von Mars (März 2007) und Erde (2005, 2007 und 2009) beschleunigt, und hinaus in unser Sonnensystem (bis in den Bereich der Jupiter-Bahn) katapultiert. Dort findet dann, in 675 Millionen Kilometern Erdentfernung, das Rendezvous mit dem Kometen statt. Insgesamt wird die Sonde rund fünf Milliarden Kilometer zurücklegen.

Zudem wird Rosetta erstmals in der Raumfahrtgeschichte eine Landeeinheit auf einem Kometen absetzen: Der Rosetta-Lander Philae, eine Entwicklung unter Führung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), ist ein Minilabor, das Bodenproben entnehmen und den inneren Aufbau des Kometenkerns erkunden wird.

Europa hatte bereits mit dem Vorbeiflug der Sonde Giotto am Halleyschen Kometen am 13. Mai 1986 eine Spitzenstellung in der Kometenforschung erobert. Während Giotto damals gerade einmal eine halbe Stunde Zeit hatte, den Kometenkern zu beobachten, wird Rosetta Churyumov-Gerasimenko mehr als ein Jahr lang im Blick haben. Die Bilder, die Giotto zur Erde funkte, hatten eine Auflösung von 50 Metern. Das Kamerasystem Osiris an Bord der Rosetta-Sonde dagegen wird die Oberfläche von Churyumov mit einer Auflösung im Zentimeterbereich fotografieren.

Die Rosetta-Mission wird Wissenschaftlern helfen, zu verstehen wie unser Sonnensystem vor rund 4,6 Milliarden Jahren aus der so genannten Urmaterie entstanden ist. Während sich die Materie auf den Planeten durch den Einfluss der Sonnenstrahlung und durch geologische Prozesse verändert hat, sind Kometen „kosmische Gefriertruhen“, auf denen die Materie in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben ist.

Die technische Umsetzung dieser ehrgeizigen Wissenschaftsmission bedeutete eine große Herausforderung für die Ingenieure des führenden europäischen Satellitenkonzerns Airbus Defence and Space: Für große Teile der weiten Reise wird die Sonde in eine Art Tiefschlaf versetzt, nur die allernotwendigsten Systeme an Bord sind in Betrieb. Doch auch während dieser inaktiven Phasen müssen die Bordcomputer ständig den Zustand der Instrumente überwachen und dafür sorgen, dass die Temperatur im Inneren der Sonde nur innerhalb eines kleinen Bereichs schwankt. „Die Entwicklung der Software erwies sich als eine der größten Aufgaben“, so Projektmanager Rainer Best von Airbus Defence and Space in Friedrichshafen. Ein weiteres Beispiel für den hohen technischen Anspruch der Mission ist die Stromversorgung: Für Rosetta wurden in einem groß angelegten Forschungsprogramm spezielle Solarzellen entwickelt, die auf Bedingungen mit sehr geringer Lichtintensität und sehr niedrige Temperaturen optimiert sind.