Airbus Defence and Space

SOHO: Verschollen und wieder eingefangen

Rettungsaktion in 1,5 Millionen Kilometern Entfernung zur Erde

Im Juni 1998 nachdem SOHO im Orbit mehr als zwei Jahre tadellos funktioniert hatte, ging infolge einer Verkettung unglücklicher Umstände bei der Ausführung eigentlich routinemäßiger Manöver durch die Bodenstation der Kontakt zu der 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernten Sonde verloren. In der Folge fror SOHO fast komplett ein und war ohne jede Bordstromversorgung. Alle Versuche, den Kontakt zum Raumfahrzeug wiederherzustellen, schlugen fehl, und viele gaben SOHO für immer verloren.

Doch diese Pessimisten hatten nicht mit der Hartnäckigkeit des Airbus Defence and Space-Vorgängers Matra Marconi Space gerechnet, der das Raumfahrzeug in gemeinsamer Arbeit mit dem ESTEC (European Space Research and Technology Centre), buchstäblich wiederbelebte und in den Nominalbetrieb zurückholte!

Während der ersten vier Wochen wusste niemand, wo sich der Satellit befand. Die ausführliche Analyse der kurz vor dem Kontaktverlust empfangenen Daten zeigte, dass der Satellit schnell um eine seiner Achsen rotierte und seine korrekte Position somit halten würde. Im August 1998 reagierte SOHO auf ein starkes Radarsignal von der Erde mit einer schwachen Antwort. Dies bestätigte, dass sich SOHO tatsächlich noch am richtigen Ort befand und so ausgerichtet war, dass in den folgenden Monaten Sonnenlicht auf seine Solarzellen treffen musste.

 

Ein Wettlauf gegen die Sonne

Nachdem diese Information gesichert war, begann ein Wettlauf gegen die Sonne, denn bevor sich SOHO wieder von ihr abwandte, mussten seine Batterien ausreichend aufgeladen und das Antriebssystem reaktiviert werden. Hierzu taute man zunächst die außenliegenden Leitungen und dann die inneren Tanks auf, um zu verhindern, dass Gasblasen die Leitungen sprengen. Dies war der kritischste Teil der Arbeit.

Anschließend wurde das Lageregelungssystem reaktiviert, und der Satellit blickte wieder in Richtung Sonne. SOHO war wieder funktionsfähig – der Lohn von sechs Monaten mühevollester Arbeit.

Doch als ob diese Komplikationen nicht genug wären, fielen kurz darauf sämtliche zur Lageregelung des Raumfahrzeugs nötigen Bordgyroskope aus. Hastig wurde ein neues Lageregelungskonzept entwickelt, das ohne Gyros auskam; seitdem ist SOHO das einzige dreiachsenstabilisierte Raumfahrzeug, das kein einziges Kreiselsystem braucht.

Trotz all dieser Probleme ist es den Ingenieuren gelungen, SOHO mit allen seinen Instrumenten vollständig betriebsfähig zu halten. Die Mission der ursprünglich auf eine zweijährige Betriebsdauer ausgelegten Sonde wurde mehrmals verlängert. SOHO ist nun schon im 15. Dienstjahr und liefert extrem wertvolle Forschungsdaten, die wichtige Erkenntnisse zu den Abläufen im Innern unserer Sonne gestatten.

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