Airbus Defence and Space

Radarsatellit TanDEM-X sendet erste Aufnahmen in Rekordzeit

Schon mit seinen ersten Aufnahmen übertrifft der vor einer Woche gestartete Radarsatellit TanDEM-X seinen Zwillingssatelliten TerraSAR-X: Am 24. Juni sendete der von Airbus Defence and Space gebaute Satellit nur drei Tagen und 14 Stunden nach seinem Start zum ersten Mal Aufnahmen aus dem Weltall zur Erde. In der Bodenstation Neustrelitz des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) wurden die Daten empfangen und zu Bildern verarbeitet. TanDEM-X blickte aus über 500 Kilometern Höhe auf den Norden von Madagaskar, die Ukraine und Moskau.

 

Wellengang bei Madagaskar deutlich sichtbar

Selbst das Auf und Ab der Wellen im Indischen Ozean – auf der Aufnahme gelblich eingefärbt - zeichnet TanDEM-X bei seinem Überflug mit einer Geschwindigkeit von sieben Kilometern in der Sekunde auf. Zu sehen (rechts oben) ist auch die Veränderung des Wellengangs, wenn das Wasser durch den engen Eingang der Baie de Diego strömt. Das Wasser in der Bucht selbst, an der auch die Provinzhauptstadt Antsiranana zu erkennen ist, ist im Gegensatz zum welligen Ozean sehr ruhig und reflektiert die Radarsignale von TanDEM-X einheitlicher. Die im Süden des Gebiets verlaufenden Täler entwässern den Vulkankegel des Ambre-Bobaomby in den Indischen Ozean.

Aufgenommen wurden die Daten am Donnerstag Nachmittag um 16. 55 Uhr.  Damit wurde der Weltrekord von TerraSAR-X gebrochen. Damals lag nach 4,5 Tagen die erste Aufnahme vor, bei TanDEM-X konnte das Team schon drei Tage und 14 Stunden nach dem Start um 4.14 Uhr am 21. Juni 2010 Daten herunterladen. Acht Gigabyte Datenmaterial erreichte die Bodenstation Neustrelitz.

Stauseen, Felder und ein fahrender Zug in der Ukraine

Wie ein Radarsatellit Felder und Wälder wahrnimmt, zeigt die Aufnahme der Ukraine: Dort zeichnete der Satellit bei seinem Flug in Stausee nahe des Flusses Donez, einem Nebenfluss des Don, auf. Der Stausee liegt inmitten von Waldgebieten und landwirtschaftlich genutzten Flächen. Diese Felder sind unterschiedlich bearbeitet – und senden dadurch auch die Radarstrahlen aus dem Weltall unterschiedlich zurück. Diese wechselhafte Oberflächenstruktur ist im Bild d
 urch unterschiedliche Helligkeit und Farbgebung zu erkennen. Östlich der kleineren Stauseen in der Bildmitte ist ein fahrender Zug als helle, gekrümmte Linie zu erkennen. Aus dem Versatz des Zuges zu den Gleisanlagen lässt sich aus dem Weltall sogar seine Geschwindigkeit berechnen.

Moskau aus 500 Kilometern Höhe gesehen

Mittig im Bild (rechts oben) erkennbar ist der Flughafen Moskau-Sheremetyevo, etwa 30 Kilometer nordwestlich von Moskau. Terminal 1 im Norden wurde am 11.8.1959 eröffnet und dient heute vorwiegend dem nationalen Luftverkehr. Terminal 2 im Süden wurde für die Olympischen Sommerspiele 1980 von deutschen Firmen nach dem Vorbild des Terminals des Flughafen Hannover ergänzt und wickelt heute den internationalen Luftverkehr ab. Gut erkennbar sind die beiden Start- und Landebahnen. Weil die ebenen Betonflächen die Radarstrahlen aus dem All vom Satelliten wegreflektieren, sind die Bahnen als schwarze Linien zu sehen. Im Norden von Moskau liegen große Stauseen wie das Pirogovskoye Reservoir und das Uchinskoye Reservoir.

Meilensteine der Satelliten-Mission

Bis Ende Juli sollen die beiden Radarsatelliten dann auf eine Entfernung von 20 Kilometern aneinander herangeführt werden. Im Oktober steht dann ein weiterer Meilenstein an, der so bisher einzigartig ist: Die Radarsatelliten werden im Formationsflug mit einem Abstand von teilweise nur noch 200 Metern über die Erdkugel fliegen. Damit beginnt der zweite Teil der Commissioning-Phase, in der die Annäherung und die Steuerung beider Satelliten im Vordergrund stehen.

ErdbeobachtungRadarTanDEM-X