Airbus Defence and Space

Überwachungskamera für die Erde

Airbus Defence and Spaces GO-3S Projekt könnte die Erdbeobachtung aus dem Weltraum revolutionieren

Ein optischer Beobachtungssatellit im geostationären Orbit könnte die Entwicklung in einem Gebiet auf der Erde kontinuierlich verfolgen und damit neue Perspektiven für Bereiche wie Verteidigung und Sicherheit, Katastrophenmanagement und Infrastrukturschutz erschließen.

Pléiades: Waldbrände in Colorado

Im Juni 2025 treibt eine humanitäre Katastrophe in einem Land der Sahelzone zehntausende Menschen an die Grenzen der Nachbarländer. Über die minütlich gelieferten GO-3S-Satellitenbilder verfolgen UNO-Mitarbeiter die Bewegungen der Menschen in Echtzeit. Sie liefern zudem Daten für die Ausrichtung weiterer Sensoren sowie die rasche Erstellung von Aktionsplänen, damit Rettungsmaßnahmen, Versorgung und provisorische Lager organisiert werden können. So wird kostbare Zeit für die Rettung von Menschenleben gewonnen.

Ein solches Krisenmanagement wird demnächst vielleicht Realität – dank Airbus Defence and Spaces Projekt GO-3S (Geostationary Observation Space Surveillance System), das den Markt für Satellitenbilder revolutionieren könnte.

Pléiades: Kabul Airport

„Das Satellitenprojekt GO-3S ist Teil der Innovationsinitiative von Airbus Defence and Space. Seit 2007 arbeiten wir intensiv auf einen entscheidenden Fortschritt bei der Verharrungsdauer und Verfügbarkeit von Erdbeobachtungssatelliten hin. ‚Verharrungsfähigkeit‘ bedeutet, dass man einen gegebenen Bereich über einen ausreichend langen Zeitraum kontinuierlich beobachten kann und bei der ‚Verfügbarkeit‘ geht es um die Möglichkeit, dies zum gewünschten Zeitpunkt zu tun“, erklärt Norbert Hazan, Head of Future Defense & Security Observation Programs bei Airbus Defence and Space. Gegenwärtig liefern von Airbus Defence and Space entwickelte Satelliten wie Spot, Helios, Pléiades oder TerraSAR-X relevante und höchst präzise Informationen zu allen Punkten des Planeten – allerdings bekommt man die Bilder erst, wenn die Satelliten das Zielgebiet und eine Empfangsantenne überfliegen. „Häufig ist ein Bild von einem konkreten Punkt der Erde ausreichend, aber Krisensituationen oder humanitäre Katastrophen erfordern oft schnelle Reaktionen und Entscheidungen. Dazu braucht man zuverlässige Informationen, die in Echtzeit zur Verfügung stehen. Genau diese würde die Videoüberwachung aus dem Weltraum durch GO-3S liefern“, erklärt Hazan.

Spot 6 : San FranciscoDer im geostationären Orbit in einer Höhe von 36.000 Kilometern über der Erde platzierte Satellit GO-3S würde über ein Großteleskop mit einem Spiegeldurchmesser von 4,2 Metern verfügen. Dies ist noch größer als das Weltraumteleskop Herschel mit 3,5 Meter Durchmesser, das Airbus Defence and Space für die Europäische Weltraumorganisation ESA gebaut hat und das seit mittlerweile drei Jahren im Orbit im Einsatz ist. Jeder GO-3S-Satellit hätte bei der täglichen Beobachtung potenziell ein Viertel der Erdoberfläche im Blick. Innerhalb weniger Minuten könnte der Satellit das 100 x 100 Kilometer große Beobachtungsfeld auf ein Zielgebiet ausrichten und ebenso schnell einen anderen Bereich ins Visier nehmen. Bilder und Videomaterial würden dann in Echtzeit zur Erde übertragen. Alles mit einer Bodenauflösung von drei Metern bei senkrechter Abtastung. Im Bedarfsfall könnten dann zusätzlich genauere Bilder von Satelliten im erdnahen Orbit angefordert und so gezielter und wirkungsvoller eingesetzt werden.

Spot : Saudi Arabien

Zur Machbarkeit des Projekts äußert sich Hazan sehr zuversichtlich: „Die Basistechnologien für Plattform und Videoaufzeichnungsgerät existieren und wurden von uns bereits eingesetzt. Jetzt muss nur noch die Anpassung für einen größeren Satelliten erfolgen“, erklärt er. So gewährleistet zum Beispiel Siliziumkarbid – ein wesentlicher Werkstoff für die Konstruktion von Teleskopspiegeln – selbst bei starken Temperaturunterschieden zwischen den verschiedenen Teilen eines Instruments die Stabilität und mikrometrische Genauigkeit des Spiegels.

Die Technologien für die Satellitenplattform sind ebenfalls bereits erprobt, sowie die Technik, mit der das Teleskop im Weltraum auf ein Zielgebiet ausgerichtet wird. Sie garantiert die für eine gute Bildaufnahme unerlässliche Stabilität. „Der von Airbus Defence and Space entwickelte und im Dezember 2011 gestartete Satellit Pléiades 1A verfügt bereits über ein solches System. Allerdings muss es angepasst werden, schließlich ist der Spiegel des Pléiades-Teleskops nur 650 mm groß“, erläutert Hazan. Das Abenteuer GO-3S beschränkt sich jedoch keineswegs auf eine bloße Anpassung bereits vorhandener Technologien. Im Rahmen des Projekts werden neue Technologien entwickelt, die uns der hochauflösenden Erdbeobachtung aus dem Weltraum einen großen Schritt näherbringen. GO-3S wird Airbus Defence and Space zum Beispiel bei der aktiven Steuerung von Teleskopen einen wichtigen Schritt voranbringen. Diese so genannte „aktive Optik“ erlaubt es, umgebungsbedingte Verformungen des großen Teleskopspiegels aktiv auszugleichen und so eine gleichbleibende Bildqualität zu gewährleisten

Eine Vielzahl zukunftsträchtiger Einsatzmöglichkeiten

An zivilen und militärischen Einsatzmöglichkeiten für GO-3S wird es nicht mangeln. „Im Verteidigungsbereich sind Satelliten bereits wesentlicher Bestandteil der militärischen Operationskette“, erklärt Benoît de Maupeou, Head of Business Development & Strategy Defense bei Airbus Defence and Space. So wurde der französische Satellit Helios 1A während der Operation Harmattan in Libyen intensiv für Aufklärung sowie für die Vorbereitung von Lufteinsätzen und die Bewertung ihrer Wirkung genutzt. „Das Militär ist an einer ständigen Beobachtung der Einsatzgebiete interessiert, die GO-3S gewährleisten kann. Diese Fähigkeit würde die von den anderen Satellitentypen gelieferten Daten ergänzen und beispielsweise eine kontinuierliche Verfolgung beweglicher Objekte ermöglichen“, erklärt de Maupeou. Aber es wird auch zahlreiche zivile Einsatzmöglichkeiten geben, dazu zählen das Management von Naturkatastrophen, die Sicherung von Großveranstaltungen oder die Überwachung von Ökosystemen.

Doch das ist noch nicht alles: „Der Satellit könnte auch bei der Überwachung kritischer Infrastrukturen im Energie- und Transportbereich eine Rolle spielen“, so de Maupeou, der auf die großen Hochsee-Windpark- und Wärmekraftwerknetze der Zukunft verweist, die ständigen Schutz und kontinuierliche Überwachung benötigen werden. Das Airbus Defence and Space-Projekt ist auch für die Medien interessant, vor allem für Unternehmen, die Fernsehsender und Internetanbieter mit Bildern und Videos zu aktuellen Ereignissen aus der ganzen Welt beliefern.

Gegenwärtig laufen noch die Machbarkeitsstudien für GO-3S. „Im Augenblick führen wir mit eigenen Mitteln Akquisekampagnen bei potenziellen Kunden durch, sowohl in der Privatwirtschaft als auch bei Institutionen und staatlichen Stellen. Dabei beschränken wir uns nicht auf Europa“, erklärt de Maupeou. Darüber hinaus erfolgt ein technischer Austausch mit der französischen Raumfahrtbehörde CNES (Centre National d’Études Spatiales), deren fachliche Kompetenz den Nachweis der technischen Machbarkeit des Konzepts gegenüber interessierten Investoren ermöglicht. Die Verhandlungen über eine öffentlich-private Kofinanzierung des Projekts wurden bereits aufgenommen.

„GO-3S ist ein wirkungsvolles Instrument zur Sicherung der Souveränität. Der Satellit könnte Gegenstand strategischer Partnerschaften mit den staatlichen Nutzern in Frankreich werden, mehr noch als beim Modell Pléiades, wo bereits eine Partnerschaft zwischen Verteidigungsministerium, Industrie und CNES besteht“, erläutert de Maupeou und fügt hinzu: „Eine echte Revolution im Bereich Satellitenbilder ist in greifbare Nähe gerückt.“

Matthieu Alexandropoulos, UP Magazine to Planet AIRBUS Group

 

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GO-3S: Revolutionierung der Erdbeobachtung aus dem Weltraum

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