Airbus Defence and Space

"Wii" Astronauten den Gleichgewichtssinn trainieren

Airbus Defence and Space begleitet Forschungsprojekt zur Nutzung der Wii-Spielkonsole als Gleichgewichts-Trainingsgerät für Astronauten und in der Reha.

Spaß im Weltraum mit gleichzeitigem Trainingseffekt für die Astronauten – Videospielkonsolen sollen schon bald zur Standardausrüstung bei Langzeitmissionen werden.

Der Versuchsaufbau in dem Parabelflug-Airbus A300 Zero-G in Bordeaux. Am Boden das "Balance Board", das nach Vorgaben über den Monitor bedient wird. Eine kompliziertes Gurtsystem hält den Testkandidaten in der Schwerelosigkeit "fest" ohne die Messergebnisse zu beeinflussen.

Der Versuchsaufbau in dem Parabelflug-Airbus A300 Zero-G in Bordeaux. Am Boden das "Balance Board", das nach Vorgaben über den Monitor bedient wird. Eine kompliziertes Gurtsystem hält den Testkandidaten in der Schwerelosigkeit "fest" ohne die Messergebnisse zu beeinflussen.

Davon ist Ulrich Kübler, Senior Manager Business Development bei Airbus Defence and Space in Friedrichshafen, überzeugt. „Am Beispiel der Wii von Nintendo haben wir jetzt in einem Forschungsprojekt zeigen können, dass mit Hilfe eines speziellen Gurtsystems und des dazugehörigen Balance-Boards auch unter Schwerelosigkeit das Gleichgewicht trainiert und die Anziehungskraft von Erde oder anderen Planeten simuliert werden kann – dieses sind ganz entscheidende Trainingsbereiche gerade bei Langzeitmissionen“, versichert Kübler.

Gemeinsam mit den Universitäten Freiburg und Konstanz sowie mit Unterstützung des DLR und Nintendo arbeitet Airbus Defence and Space an der Umsetzung dieser Idee. Nach ersten Tests mit Parabelflügen an Bord des A300 Zero-G stehen nun Versuchsreihen auf der Internationalen Raumstation (ISS) an. Interesse von Seiten der Raumfahrtagenturen sei ausgesprochen hoch, versichert Kübler. Sobald eine Startgenehmigung seitens der Agenturen besteht, seien die Systeme innerhalb eines Jahres startklar.

Die Testkandidaten der Uni Freiburg unter Leitung von Prof. Dr. Albert Gollhofer (links) vor dem Abflug.

Die Testkandidaten der Uni Freiburg unter Leitung von Prof. Dr. Albert Gollhofer (links) vor dem Abflug.

Seit Jahrzehnten beschäftigen sich Ingenieure und Wissenschaftler in Friedrichshafen mit Forschung rund um die Schwerelosigkeit. Die Idee der Nutzung einer Videospielkonsole mit Balance Board kam Ulrich Kübler zu Weihnachten vor ein paar Jahren, als er selbst das erste Mal eine Wii – ein Geschenk für seine Söhne – ausprobierte. Schnell war bei Airbus Defence and Space ein Diplomand aus dem Studienfach Sportengineering gefunden, der mit rund 40 Praktikanten und Diplomanden vom Standort Friedrichshafen erste Tests und Analysen mit der Konsole durchführte. In dieser Phase wurde auch das notwendige Gurtsystem entwickelt, mit dem der Nutzer an das Board gespannt werden kann, ohne ihn jedoch vollständig zu stabilisieren. „Das Gurtsystem haben wir uns patentieren lassen“, erklärt Kübler.

Im Rahmen des „Airbus Defence and Space New Business Bord“ will Airbus Defence and Space die Entwicklung des Systems auch im Hinblick auf einen ganz alltäglichen Nutzen weiter vorantreiben. „Balance und Gleichgewicht sind riesige Themen gerade auch in einer immer älter werdenden Gesellschaft“, sagt Kübler. Studien hätten belegt, dass Krankenkassen alleine in Europa und den USA jährlich 20 Milliarden Euro an Rehabilitationsmaßnahmen für Patienten mit Fallproblem im Alltag ausgeben. Unser Ziel ist es nun, zeitnah ein sinnvolles Trainingsgerät zu entwickeln, um unsere Wii mit dem Gurtsystem gezielt auch in der Rehabilitation einzusetzen“, erklärt Ulrich Kübler.

Der Olympiasieger in der Nordischen Kombination von 2006, Georg Hettich, der heute wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Uni Freiburg ist und einer der Parabelflugteilnehmer war, bereitet sich auf die Testreihe vor.

Der Olympiasieger in der Nordischen Kombination von 2006, Georg Hettich, der heute wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Uni Freiburg ist und einer der Parabelflugteilnehmer war, bereitet sich auf die Testreihe vor.


Klinische Studien in Zusammenarbeit mit Uni Konstanz sollen nun das System so detailliert verifizieren, dass die Kostenübernahmen durch die Krankenkassen bestätigt werden. Ziel sei es, so Kübler, bereits im November 2012 auf der größten Fachmesse für Medizintechnik, der Medica, mit einem industriellen Partner aus der Branche das System auf dem Markt anzubieten. „Egal ob im Weltraum auf Langzeitmissionen zum Mars und Mond oder in der medizinischen Rehabilitation – Trainieren mit Motivation, Spaß und Spiel unter Einsatz virtueller Realität ist die Zukunft!“ Davon ist Ullrich Kübler überzeugt.

 

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