Airbus Defence and Space

Wozu dient das Spaceplane?

Eine Reise in den Weltraum. So etwas ist heute machbar, und wahrscheinlich sogar demnächst relativ erschwinglich (Link zur „Weltraumreisen für jedermann“). Aber mit dem Bau seines Spaceplanes setzt Airbus Defence and Space nicht nur auf das Wachstum im Weltraumtourismus.

Die Möglichkeiten, die dieses Flugzeug bietet, gehen nämlich weit über den Spaziergang im Weltall hinaus. Seine Konstrukteure denken bereits jetzt an andere Aufgaben und Zukunftschancen, die es eröffnen soll.

Hier ist zunächst festzustellen, dass die Wissenschaft manchmal vor die Notwendigkeit gestellt ist, im schwerelosen Raum zu experimentieren - das gilt für Untersuchungen zur Hydromechanik, Biologie, menschlichen Physiologie, zur Verbrennung oder zur Grundlagenphysik. Es wurde bereits versucht, diesem Bedarf zu entsprechen: So führt die französische Raumfahrtagentur CNES seit 1988 wissenschaftliche Tests in der Schwerelosigkeit an Bord des Airbus A300-0G („zero gravity“) durch, die durch Parabelflüge erreicht wird. Das Flugzeug startet zunächst im Normalflug; anschließend zieht der Pilot mit 45° steil hoch und reduziert dann mitten im Steigflug die Triebwerkskraft. Dadurch beschreibt die Maschine eine Parabel, die die Passagiere in den freien Fall unter echter Schwerelosigkeit versetzt.

Der Hauptnachteil dieses Manövers besteht in der Begrenzung der Schwerelosigkeitsphase auf nur 20 Sekunden; daher wird es in einer langen Reihe wiederholt, um eine Experimentierzeit von einigen Minuten zu erzielen. Das Spaceplane, dessen Parabelflug über 100 km Höhe erreicht, kann hingegen Schwerelosigkeitszeiten von drei bis fünf Minuten für die Wissenschaft bereitstellen.

Eine zweite Zielsetzung besteht darin, Kleinsatelliten in den Orbit zu bringen. Bislang sind nur große Trägerraketen dazu in der Lage, Ausrüstungen für wissenschaftliche und militärische Zwecke oder die breite Öffentlichkeit in den Weltraum zu befördern. Kleine Satelliten werden damit nur als Nebenfracht gleichzeitig mit großen Objekten gestartet oder aber zu mehreren von ein und demselben Träger lanciert, was dessen Missionsprogramm verkompliziert. Eine entsprechend angepasste Spaceplane-Konfiguration könnte hier den Orbitstart für einen Kleinsatelliten übernehmen. Das Spaceplane ist mehrfach verwendbar (was heutige Trägerraketen nicht sind) und soll eine umweltfreundlichere Satellitenstart-Alternative einbringen, um solche Aufgaben hochflexibel und zu möglichst geringen Kosten zu lösen. Für den Ausbau des erdumspannenden Satellitennetzes bietet es damit ausgesprochen günstige neue Gelegenheiten.

Nicht zuletzt öffnet das Airbus Defence and Space-Flugzeug gleichzeitig ein Fenster mit Blick auf die Zukunft des Reiseverkehrs. Stellen Sie sich einmal vor, dass Sie irgendwann in den nächsten Jahren die andere Seite der Erde binnen weniger Stunden erreichen können! Genau das wird künftig mit Weiterentwicklungen des Spaceplanes möglich sein. So wurde ein erster Schritt getan, um Sie in die unmittelbare Nachbarschaft der Einwohner von Tokio zu rücken oder Ihnen die Möglichkeit zu bieten, für ein paar Stunden nach New York zu fliegen, bevor Sie zu Ihrer Familie zurückkehren.