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ATV "Johannes Kepler" wird auf Herz und Nieren geprüft

  • Zweites ATV wird erstmals als Einheit auf Flugtauglichkeit und Funktionalität getestet
  • "Johannes Kepler" soll im November 2010 zur ISS fliegen

 

Bremen, 13 Januar 2010 - "Johannes Kepler", der zweite unbemannte europäische Raumtransporter für die Internationale Raumstation ISS, wird derzeit erstmals am Airbus Defence and Space-Standort Bremen als Einheit auf Flugtauglichkeit und Funktionalität getestet. Die Vorbereitungen für die abschließenden Systemtests laufen auf Hochtouren. Der Starttermin für "Johannes Kepler" ist für November 2010 vorgesehen. Im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation ESA ist Airbus Defence and Space für die Entwicklung wie auch die Produktion von ATV (Automated Transfer Vehicle) verantwortlich. Die Produktion der ATV-Einheiten zwei bis fünf sowie die Missionsvorbereitung und die Betriebsunterstützung sind Bestandteil des so genannten "Exploitation"-Vertrages, der den Betrieb und die Versorgung der europäischen Anteile der Internationalen Raumstation ISS umfasst. Airbus Defence and Space ist im Auftrag der ESA für die Durchführung dieser Aktivitäten verantwortlich.

 

"Nachdem die Integration von Antriebsmodul und Avionik-Einheit zum so genannten Spacecraft im vergangenen Monat erfolgreich beendet wurde, können wir nun damit beginnen, "Johannes Kepler" erstmals als Einheit zu testen. Dazu werden Spacecraft und Frachtmodul soft, d.h. über elektrische Verbindungskabel, miteinander gekoppelt", sagte Dr. Michael Menking, Senior Vice-President und Leiter Orbitale Systeme und Exploration.

 

Bei diesen Tests werden nicht nur die Hardware-Komponenten sondern auch die Flugsoftware auf Funktionalität und Flugtauglichkeit überprüft. Die Flugsoftware ist zuständig für das gesamte Missionsmanagement und überwacht beispielsweise auch das vollautomatische Andocken an die ISS mit einem Höchstmass an Genauigkeit.

 

ATV ist eines der größten und anspruchsvollsten Raumfahrzeuge, die jemals in einem europäischen Gemeinschaftsprojekt entwickelt worden sind. ATV muss die extrem hohen Sicherheitsanforderungen für die bemannte Raumfahrt erfüllen. So sind die digitale und elektronische Architektur von ATV zweifach redundant ausgelegt. Ein fehlertoleranter Zentralrechner - bestehend aus drei Rechnermodulen - sorgt für einen parallelen, sicheren und reibungslosen Ablauf der ATV-Mission.

 

Nach derzeitiger Planung wird "Johannes Kepler" im zweiten Quartal 2010 zum europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana verschifft. Dort findet auch der endgültige Zusammenbau von Spacecraft, Frachtmodul ICC, Solarpanel und dem SDM (Distanzmodul zwischen ATV und Ariane) statt. Danach wird ATV vor Ort nochmals umfangreichen Tests unterzogen, bevor es als Nutzlast auf eine Ariane 5 gebracht wird. "Wenn alles nach Plan läuft, können wir im November 2010 unsere zweite Mission zur ISS starten", so Menking weiter. Bis zum Jahr 2015 wird Airbus Defence and Space im Auftrag der ESA noch drei weitere ATV-Transporter produzieren.

 

ATV ist der Versorgungstransporter für die Internationale Raumstation. Bei einer typischen Mission wird ATV Wasser, Treibstoff, Lebensmittel sowie wissenschaftliche Ausrüstung zur ISS bringen. Zum Abschluss einer Mission wird ATV mit Abfällen beladen, von der Station abgetrennt und verglüht beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Zusätzlich ist ATV auch zuständig für die regelmäßige Bahnanhebung der ISS und Manöver zur Vermeidung von Kollisionen mit Weltraummüll. Dies ist notwendig, weil die ISS sich mit rund 400 Kilometern Höhe in einem Bereich befindet, in dem sie durch die noch vorhandene Restatmosphäre abgebremst wird und absinkt.

 

Die maximale Nutzlastkapazität des ATV liegt bei bis zu 7 Tonnen Nettofracht. Diese Ladung kann je nach Mission unterschiedlich aufgeteilt sein: 1,5 bis 5,5 Tonnen Fracht und Vorräte (Lebensmittel, Forschungsinstrumente, Werkzeug usw.), bis zu 840 Kilogramm Trinkwasser, bis zu 100 Kilogramm Gase (Luft, Sauerstoff und Stickstoff), bis zu vier Tonnen Kraftstoff für die Bahnhöhenkorrektur und bis zu 860 Kilogramm Treibstoff zum Auftanken der Station.

 

Im Rahmen einer ESA-Studie führt Airbus Defence and Space Untersuchungen für ein rückkehrfähiges Transport-System (ARV - Advanced Re-entry Vehicle) auf Basis der ATV-Technologie durch. Dabei sollen die Anforderungen an ein solches System zum Transport von Fracht zur Internationalen Raumstation (ISS) und zurück zur Erde ebenso untersucht werden wie die einzelnen Schritte zur Umsetzung eines solchen Programms. Das Gesamtvolumen der ARV-Programmstudie der ESA beträgt
21 Millionen Euro. Dieser Entwicklungsschritt wäre auch deshalb sinnvoll und notwendig, weil es nur noch begrenzt möglich sein wird, Material von der Raumstation zur Erde zurückzubringen, sobald die Amerikaner 2010 ihre Shuttle-Flüge einstellen werden. Dann steht lediglich die russische Sojus-Kapsel für den Rücktransport von Material und Menschen von der ISS zur Erde zur Verfügung.

 

 

Über Airbus Defence and Space

Airbus Defence and Space, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der AIRBUS Group, ist spezialisiert auf zivile und militärische Raumfahrtsysteme. Im Jahr 2008 erreichte  Airbus Defence and Space einen Umsatz von 4,3 Milliarden € und beschäftigte rund 15.000 Mitarbeiter in Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Spanien und den Niederlanden. Das Kerngeschäft gliedert sich in drei Bereiche: Airbus Defence and Space für Trägerraketen und Weltraum-Infrastrukturen, Airbus Defence and Space für Satelliten und Bodensegmente sowie Airbus Defence and Space für die Entwicklung und Lieferung satellitenbasierter Dienstleistungen.

 

AIRBUS Group ist ein global führender Anbieter in der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen. Im Jahr 2008 lag der Umsatz bei rund 43,3 Milliarden €, die Zahl der Mitarbeiter bei mehr als 118.000.

 

 

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