Airbus Defence and Space

Erforschung des Universums Pressemitteilungen

Erfolgreicher Start der Forschungsrakete MAXUS

  • Pflanzenwachstum für möglichen Mars-Flug untersucht

  • Verbesserung der mechanischen Eigenschaften von Materialien für den Automobilbau erforscht

 

Bremen/Kiruna 26. März 2010 - Die wissenschaftliche Forschungsrakete MAXUS-8 ist heute zum 8. Mal erfolgreich vom nordschwedischen Raketenbahnhof Esrange bei Kiruna gestartet. Die Rakete brachte vier Experimente ins All, die während des knapp 13-minütigen Fluges in der Schwerelosigkeit erforscht wurden. Drei Experimente wurden von Airbus Defence and Space entwickelt und gebaut, ein weiteres Experiment von der Swedish Space Corporation (SSC).

 

Die Experimente kamen aus den Bereichen Biologie und Materialforschung. Die Universität Bonn beschäftigte sich mit dem Wachstum von Pflanzen in der Schwerelosigkeit. Es wurden die Süßwasser-Algen mit dem Namen Chara untersucht, um herauszufinden, mit Hilfe welcher Mechanismen Pflanzen ihr Wurzelwachstum nach unten ausrichten. Diese Chara-Rhizoide eignen sich besonders gut als Untersuchungsobjekte, weil in den wurzelähnlichen Rhizoiden die Schwerkraftwahrnehmung und die Reaktion auf die Schwerkraft in einer Zelle stattfinden, die lebend mikroskopisch untersucht werden kann. Die Erkenntnisse aus der Erforschung des Pflanzenwachstums unter den Bedingungen der Mikrogravitation können ein erster kleiner Schritt auf dem Weg zur Selbstversorgung von Astronauten auf langen Raumflügen - beispielsweise zum Mars - sein.   

 

Die Forschungsrakete MAXUS bietet den Wissenschaftlern und Ingenieuren den Vorteil, dass sie bis zu einer Stunde vor dem Start Zugang zu ihren Experimenten haben und dass während des Fluges die Versuchsbedingungen geändert werden können. So konnte beispielsweise die Drehzahl der Zentrifuge, in der sich die Chara-Pflanzen befanden,  verringert oder zu erhöht  und damit der Schwerkraftreiz während des Fluges verändert werden. Gleichzeitig hatten die Wissenschaftler die Möglichkeit, die Einstellungen des Mikroskops zu verändern und so den optimalen Bildausschnitt zu betrachten. Diese Untersuchungen erlauben die zellbiologischen Grundlagen für die Schwerkraftwahrnehmung zu finden.

 

Ein weiteres deutsches Experiment, vom Fraunhofer Institut für Fertigtechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM/Bremen) kam aus dem Bereich Materialwissenschaft. Untersucht wurde die Herstellung von Nickel-Agglomeraten (Agglomerat = Zusammenballung). In der Schwerelosigkeit bilden sich lange Ketten von Nickel-Atomen, dessen Bildung auf der Erde so nicht möglich wäre. Nach dem Flug mit MAXUS können diese Ketten, die auf einem polierten Metallstab aufgefangen wurden, auf der Erde im Labor untersucht und ausgewertet werden. Auch dieses Experiment wird in einer von Airbus Defence and Space entwickelten Anlage geflogen. Die Ergebnisse dieses Experiments finden Verwendung in der Entwicklung der Katalysatortechnik in der chemischen Industrie.

 

Das dritte Experiment - ebenfalls von Airbus Defence and Space entwickelt und gebaut - wird vom ACCESS e.V. Materials and Processes Institut in Aachen und der Universität in St. Martin d'Hères in Frankreich durchgeführt. Durch dieses Experiment möchte man ein besseres Verständnis über die Erstarrung von Titan-Aluminium-Basislegierungen gewinnen. Die beiden Metalle wurden während des Fluges zunächst geschmolzen und dann, mit unterschiedlichen Kühlraten, wieder unter die Schmelztemperatur abgekühlt. Die Erstarrungsstrukturen wurden in den Metallstäben "eingefroren", die dann später auf der Erde genauer untersucht werden können. Die erwarteten Erstarrungsstrukturen können so nur in der Schwerelosigkeit entstehen. Dieses Experiment dient zur Verbesserung der mechanischen Eigenschaften von Materialien, die beispielsweise im Automobilbau und Turbinenbau eingesetzt werden. Dadurch können bei gleicher Stabilität erhebliche Gewichtseinsparungen erzielt werden.

 

Bei dem vierten Experiment handelt es sich um einen Versuch, den norwegische Wissenschaftler zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln durchgeführt haben. Die Anlage wurde von der Swedish Space Corporation (SSC) gebaut. Bei diesem Experiment wurden durch Röntgenstrahlen die "Wanderung" von Atomen oder Molekülen (Diffusion) in Metallschmelzen gemessen. Die Ergebnisse werden in die Verbesserung von Materialeigenschaften einfließen.

 

Seit 1977 werden von Airbus Defence and Space die TEXUS Forschungsraketen (Sounding Rockets) eingesetzt, im Jahr 1991 kamen die MAXUS Raketen dazu. Das MAXUS Programm ist eine Kooperation zwischen der Swedish Space Corporation (SSC) und Airbus Defence and Space im Auftrag der Europäischen Raumfahrtagentur ESA und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Durch den Flug erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse für die Grundlagenforschung zu gewinnen. Das Sounding Rocket-Programm untersucht Experimente unter Bedingungen der Mikrogravitation. Die Wissenschaftler können hier zwischen zwei Trägern wählen: Mit TEXUS können Experimente für bis zu sechs Minuten unter Schwerelosigkeit untersucht werden, MAXUS bietet bis zu 13 Minuten Mikrogravitation.

 

Airbus Defence and Space ist der Hauptauftragnehmer für alle TEXUS- und MAXUS-Flüge und verantwortlich für die komplette Organisation. Airbus Defence and Space entwickelt und betreibt die erforderlichen Experimentieranlagen und führt den Flug in Nordschweden durch.

 

Das Sounding Rocket-Programm bietet Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Sparten eine einzigartige Gelegenheit, schwerkraftunabhängige physikalische, chemische und biologische Prozesse in einer nahezu reizfreien Umgebung schnell und kostengünstig zu erforschen. Die kurze Untersuchungszeit ist häufig viel hilfreicher als tagelange Aufenthalte im All, weil viele Vorgänge in einer Flugzeit von knapp 13 Minuten umfassend untersucht werden können und die Wissenschaftler innerhalb kürzester Zeit ihre Experimentproben zurückbekommen. MAXUS bringt die Experimente auf einen ballistischen Flug, deren Gipfelpunkt in einer Höhe von 715 Kilometer liegt, ins All.

 

Über Airbus Defence and Space

Airbus Defence and Space, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der AIRBUS Group, ist spezialisiert auf zivile und militärische Raumfahrtsysteme. Im Jahr 2009 erreichte Airbus Defence and Space einen Umsatz von 4,8 Milliarden € und beschäftigte rund 15.000 Mitarbeiter in Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Spanien und den Niederlanden. Das Kerngeschäft gliedert sich in drei Bereiche: Airbus Defence and Space für Trägerraketen und Weltraum-Infrastrukturen, Airbus Defence and Space für Satelliten und Bodensegmente sowie Airbus Defence and Space für die Entwicklung und Lieferung satellitenbasierter Dienstleistungen.

AIRBUS Group ist ein global führender Anbieter in der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen. Im Jahr 2009 lag der Umsatz bei rund 42,8 Milliarden €, die Zahl der Mitarbeiter bei mehr als 119.000.

 

Medienkontakt:

Ralph Heinrich (Airbus Defence and Space D)                                                        Tel. : +49 (0) 89 607 33971

Matthieu Duvelleroy (Airbus Defence and Space FR)                                              Tel. : +33 (0) 1 77 75 80 32

Daniel Mosely (Airbus Defence and Space GB)                                                      Tel. : +44 (0)1 438 77 8180

Francisco Lechón (Airbus Defence and Space SP)                                                 Tel. : +34 91 586 37 41

 

 

www.space-airbusds.com

 

SondenWissenschaft